Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren
März 2025
RL/Kultur

Blick aufs Meer

Eine handverlesene Auswahl an Büchern – ein paar neue, ein paar alte –, die das Leben am Strand aus der Perspektive klassischer Küstendörfer von Montauk bis Maine zeigen
Von Adrienne Westenfeld
Witwe für ein Jahr
Heute ist Sagaponack der zweitreichste Ort der Vereinigten Staaten, doch als Schriftsteller wie Truman Capote und Kurt Vonnegut sich in den 1950er- und 1960er-Jahren dort niederließen, war es noch ein verschlafenes Bauerndorf mit weiten Feldern und Schindelhäusern. In Witwe für ein Jahr beschreibt John Irving (selbst ein langjähriges Mitglied des „Sagg Main Set”) den Traum eines an die Zeit verlorenen Sagaponacks. Der Roman begleitet Ruth Cole durch die drei Zyklen ihres Lebens und zeigt drei Versionen ihrer Person: im Sommer 1958 als kleines Mädchen, das in einer zerrütteten Familie aus Sagaponack aufwächst, im Herbst 1990 als literarischen Superstar mit stürmischem Liebesleben und im Herbst 1995 als verwitwete Mutter, die sich zum ersten Mal richtig verliebt.
Spoonhandle
Ruth Moore – gefeiert als „Neuenglands einzige Antwort auf William Faulkner“ – widmete diesen Roman aus dem Jahr 1946 „jeder beliebigen US-amerikanischen Kleinstadt“, und trotzdem ist das ärmliche Fischerdorf Spoonhandle ein absolut einzigartiger Ort. In dieser rauen Küstengemeinde in Maine gehen rechtschaffene Holzfäller und Fischer ihrem Geschäft nach und verkaufen ihre Waren an langjährige Nachbarinnen und Nachbarn. Aber auch die Modernität hat in Spoonhandle Einzug gehalten: Im Sommer 1936 strömen wohlhabende Leute vom Festland – „von außerhalb“ – in diesen Ort, um Land zu kaufen, das seit Generationen im Besitz ortansässiger Familien ist. Einige Einwohnerinnen und Einwohner von Spoonhandle weigern sich, zu verkaufen, weil sie fürchten, ihren Lebensstandard zu verlieren, doch andere freuen sich über das Geld. Fast ein Jahrhundert später stellt sich die wichtigste Frage dieses Romans immer noch: Wie lebt man mit Menschen zusammen, die anders aussehen oder anders leben als man selbst? Darin liegt die Weisheit der Widmung. Jede Stadt könnte so sein, alle Städte sind so.
Barbarentage: Mein Surferleben
Draußen an „The End“ ist Surfen eine Lebensart. Doch für den Kriegsberichterstatter William Finnegan ist es eher wie eine Religion – „ein aufreibender, körperlich anstrengender, von Freude erfüllter Grund zu leben.“ In seinen Memoiren, die mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurden, beschreibt Finnegan ein Leben, in dem sich alles darum drehte, die perfekte Welle zu finden – von seiner Kindheit in Hawaii bis zu seinen Weltreisen rund um den Globus (einschließlich des Surferparadieses von Montauk). Egal, wo er ist, Finnegan findet immer eine Geschichte – nicht nur über die Stammgäste der Surferkneipe, sondern auch über die Lokalpolitik, von den kommunistischen Unruhen in Indonesien bis zum Bürgerkrieg in El Salvador. Barbarentage ist in wunderbarer Prosa geschrieben (niemand hat jemals eine Welle lebhafter beschrieben als er) und beschreibt die berauschende Gefahr sowie die überwältigende Schönheit des Surferlebens.
Der Gewinner
Dieser lustvolle Roman über Geld, Sex und Macht beginnt, als der frischgebackene Jurist Conor O’Toole in Cutter’s Neck ankommt – einer fiktiven geschlossenen Wohnanlage in der Nähe von Cape Cod. Der perfekte Sommer wartet auf ihn: Tagsüber gibt Conor private Tennisstunden im Austausch für kostenlose Unterkunft und abends lernt er für seine Anwaltsprüfung. Doch Conor, der aus der Arbeiterklasse stammt, muss einen hohen Studienkredit zurückzahlen und fühlt sich schon bald zwischen den beiden attraktiven Lebensstilen zweier sehr unterschiedlicher Liebschaften hin- und hergerissen: Catherine, eine ältere geschiedene Frau, die viel Geld für seine Dienste auf (und abseits) des Tennisplatzes zahlt, und Emily, Tochter einer privilegierten Familie, die den Sommer in Cutter’s Neck verbringt. Der Aufstieg ist für Conor zum Greifen nah – bis ein schrecklicher Fehler droht, ihn für seine Vergehen in diesen elitären Kreisen zu bestrafen. In diesem knisternden Erotikthriller, der an die Werke von John Updike und Philip Roth erinnert, zeigt Teddy Wayne, was man braucht, um zu gewinnen – und was es zwangsläufig kostet.
Hamptons Bohemia
Bevor die Hamptons zu einem berühmten Urlaubsziel wurden, waren sie einfach nur ein Ort zum Leben, Schreiben und Malen. In diesem prächtigen Bildband beschreiben die Autorinnen zwei Jahrhunderte „künstlerischer und literarischer Aktivität“ in der Region, die später zu „Amerikas größtem Kunstmekka“ wurde. Obwohl das Buch die Veränderungen der künstlerischen Kultur wunderbar beschreibt, so zeichnet es sich vor allem durch seine Schilderung der Landflucht in die Hamptons nach dem Zweiten Weltkrieg aus, als die Ankunft von Jackson Pollock und John Steinbeck andere Kreative, wie Andy Warhol, E.L. Doctorow und Roy Lichtenstein, dazu bewegten, hierher zu ziehen. Vollgepackt mit intimen Fotos, die direkt vom Dachboden von irgendjemandem stammen, bietet Hamptons Bohemia Einblicke in eine legendäre Clique, deren Vermächtnis immer noch sehr präsent ist.

Adrienne Westenfeld, ehemalige Buch- und Belletristik-Redakteurin bei Esquire, ist Schriftstellerin und Redakteurin und lebt in Brooklyn.