Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren

Der Erfolg
des kreativen Fitness-studios

Mit innovativen Techniken und einem Fokus auf Ästhetik und Exklusivität passt eine neue Generation von Trainern das Workout an die Bedürfnisse und Vorlieben des modernen Großstadtmenschen an

Es ist Vormittag an einem Frühlingstag in New York. Einen Block südlich vom Brooklyn Navy Yard, auf einem ehemaligen Industriegelände, das heute ein Lagerhaus und einen Baggerverleih beherbergt, findet sich auch eine neuere Einrichtung namens Gun Club Brooklyn, in der die Backsteinwände unverputzt sind und eine kühle Brise durch die Fenster weht. Das Gegend gehört nicht zu den schönsten, und zur nächsten U-Bahn-Station braucht man zu Fuß etwa 10 Minuten. Und trotzdem ist dies der ultimative Treffpunkt für eine ganz bestimmte Clique von New Yorkern.

Doch sie kommen nicht hierher, um es sich mit ihren Laptops bei einem Fair-Trade-Kaffee gemütlich zu machen. Vielmehr treffen sie sich hier, um sich bei Klimmzügen und Kniebeugen zu verausgaben, 50-Pfund-Säcke auf ihre Schultern zu wuchten, ihre Kraft und Beweglichkeit zu trainieren, ohne dafür mehr als die Maschinerie des menschlichen Körpers zu nutzen, und um gemeinsam mit ihren Kumpels zu ächzen und zu schwitzen, und – warum nicht – später noch einen Macchiato zu trinken.

Der Gun Club ist eine neue Art von Trainingsraum. Man könnte es "kreatives Fitnessstudio" nennen. Das Konzept baut auf zeitgemäße Brooklyner Werte, wie eine nachbarschaftliche Gesinnung und einen naturalistischen Ansatz hinsichtlich des Erlebens und Designs, und wendet diese auf die Fitness an. Der Rahmen ist klein, und die Atmosphäre entspannt und locker. Genau wie das Aufblühen der angesagten New Yorker Laufclubs (vielleicht sind Ihnen die Black Roses aus Brooklyn oder die Orchard Street Runners aus Downtown ein Begriff) und der Londoner Trend zum Schwimmen im Freien, lässt auch dieses Konzept erkennen, wie eine kreativ gesinnte, urbane Avantgarde die moderne sportliche Lebensart neu definiert – und ihr einen, sagen wir mal, coolen Touch verleiht.

                            Der Gun Club Brooklyn hält seine Kurse mit nur sechs Teilnehmern klein
Der Gun Club Brooklyn hält seine Kurse mit nur sechs Teilnehmern klein

Der Mann, der hinter dem Gun Club steht, heißt Greg Ramirez. Mit seiner durchtrainierten, kompakten Statur sieht man ihm seine 45 Jahre kaum an. Während der letzte Teilnehmer seines 10-Uhr-Kurses noch seine Sachen zusammenpackt – "Wir sehen uns, Kumpel!" – wischt er bereits die Bodenmatten ab. Seine früheren Tätigkeiten als Barmann und Koch haben ihn, wie Ramirez erklärt, gelehrt, wie wichtig es ist, auf Ordnung und Sauberkeit zu achten. Zudem hat er eine Ausbildung als Fleischer auf einer Schweinefarm in Südfrankreich absolviert, und hielt sich bis vor ein paar Jahren hin und wieder mit Gelegenheitsjobs als Fleischer über Wasser.

Keine Frage – sein Weg ist kein gewöhnlicher. Zwar hat Ramirez schon immer mit Hingabe trainiert, doch gab erst der Gun Club Brooklyn den Anlass, sich in Vollzeit mit dem Fitnesstraining zu beschäftigen. Jahrelang ging er mit ein paar Freunden in den Park oder auf eine Dachterrasse. Die Ausrüstung war minimal, das Ambiente entspannt. Anstatt gemeinsam Bier zu trinken, entschied man sich für Sportübungen. Schließlich zählte er eins und eins zusammen. "Es war eine große Befriedigung für mich zu sehen, dass meine Kumpels, die bis dahin keine Lust auf Sport gehabt hatten, sich änderten, dass sie ihren Körper und ihr Selbstvertrauen stärkten", erinnert sich Ramirez. "Da habe ich mir gedacht, dass man daraus vielleicht etwas machen könnte."

Doch hat er nie auf die kommerzielle Schiene gesetzt. Zunächst quetschte Ramirez sein Studio in sein Apartment in Fort Green, doch das wurde schnell zu klein. Der gut 90 Quadratmeter große Raum, den er derzeit nutzt, ist mehr als ausreichend für die ordentlich aufgereihten Kugelhanteln, drei Klimmzugstangen und ein Kniebeugengerät. Man begnügt sich mit dem Nötigsten und setzt auf Handarbeit. So zum Beispiel die "Stairmaster", zwei 1,80 Meter lange Bänke, die ein befreundeter Holzarbeiter für ihn angefertigt hat. Seine Frau, eine Blumenbinderin, hat das Studio mit Topfpflanzen als "Sauerstoffmaschinen" ausgestattet. Ramirez macht das Licht nur dann an, wenn es wirklich gebraucht wird, und nutzt die Klimaanlage so gut wie nie. Er lässt seine Gruppen barfuß trainieren – eine Vorliebe, die er seiner jahrelangen Jiu-Jitsu-Praxis zuschreibt.

                            Greg Ramirez setzt auf ein minimalistisches Programm und trainiert Künstler, Musiker und Köche in Brooklyn
Greg Ramirez setzt auf ein minimalistisches Programm und trainiert Künstler, Musiker und Köche in Brooklyn

Die Natürlichkeit des Ganzen macht das Training und die Atmosphäre im Fitnessstudio besser, sagt Ramirez. Er erinnert sich an seine Football-Zeit an der University of Nevada in Las Vegas, wo ihm das "Kraft- und Konditionstraining wie echte Plackerei vorkam". Und als er Mysore-Yoga machte, lernte er die Leute direkt neben ihm im Kurs nie kennen. Die Workouts, die er jetzt leitet, und die maximal zu sechst stattfinden, sind "von einem Kameradschaftsgeist geprägt, den man in einem gewöhnlichen Fitnessstudio nicht findet". Die Musiker, Künstler und Köche, aus denen sich seine Klientel zu einem großen Teil zusammensetzt, trainieren meist zu ungewöhnlichen Zeiten. Ramirez’ nächstes Vorhaben ist es, einen Transporter anzuschaffen, um auch nördlich der Stadt und in Montauk – zwei Gegenden, in die sich die hippen New Yorker gern zurückziehen – Trainingseinheiten anbieten zu können. Unterm Strich, sagt er, ist das Rezept einfach: "Wir tun gern Dinge in der Gruppe, und wir treiben gern Sport. Die Zukunft gehört also dem Training in kleinen Gruppen."

Mindestens einmal pro Woche schaut jemand herein, der das Fitnessstudio für eine Galerie hält.

                            Der Gründer von S10 Training, Stephen Cheuk, hilft stilprägenden New Yorkern, ihren optimalen Wunschkörper zu erreichen
Der Gründer von S10 Training, Stephen Cheuk, hilft stilprägenden New Yorkern, ihren optimalen Wunschkörper zu erreichen

Für die New Yorker Elite aus der Welt der Werbung und Mode sind die Trainingseinheiten in kleiner Gruppe bei S10 Training eine Art offenes Geheimnis.

Der Gründer von S10, Stephen Cheuk, führt mit seiner Technik einen Rachefeldzug gegen das Körperfett und setzt auf einen äußerst strapaziösen Mix aus Workouts für verschiedene Muskelgruppen, die keinen einzigen Körperteil verschonen. Dieser gnadenlos effiziente Ansatz funktioniert perfekt, insbesondere in Kombination mit einer motivierenden geselligen Komponente, die sowohl in individuellen Trainingsangeboten als auch in groß angelegten Fitnesskursen meist fehlt. Nirgends ist diese Komponente stärker als in einem ganz bestimmten S10-Fortgeschrittenenkurs für Männer, die Cheuk als "Bruderschaft" bezeichnet und zu denen einige der stilprägendsten Personen der Stadt zählen.

"Man weiß ganz genau, dass wenn man am Dienstag mal nicht kommt, es die anderen einem am Donnerstag dafür umso schwerer machen werden", sagt Jason Harris, ein Mitglied der Gruppe und Präsident und CEO der Kreativagentur Mekanism. "Früher habe ich meine Kopfhörer aufgesetzt und die Übungen eine nach der anderen heruntergespult. Doch [hier] sorgen wir gegenseitig dafür, dass wir ehrlich sind und bei der Sache bleiben. Und das ist viel befriedigender, weil die Gruppe zusammenschweißt und man Ziele gemeinsam erreicht."

Zu seinen Trainingskameraden gehören auch der Globetrotter und DJ Brendan Fallis sowie Steven Rojas, der Corporate Digital Director der Morgans Hotel Group. Zweifellos trägt auch die ganze Atmosphäre des stylishen Downtown-Viertels Tribeca ihren Teil dazu bei, dass sich die anspruchsvollen Stammkunden hier wohlfühlen. Dass Cheuk auf Erfahrungen als Grafikdesigner baut, ist im Erscheinungsbild der Anlage offensichtlich: Mit dem schwarzen Kunstrasen, den gekalkten Wänden und dem mit Kunstefeu ausgekleideten Innenhof, den man von den hinteren Fenstern einsieht, wirkt S10 wie das eleganteste Fitnessstudio, das man sich vorstellen kann. (Cheuk übertrug die Innengestaltung seinem Freund Samuel Amoia, der bereits in den edlen Hotels von Ian Schrager und André Balazs sein Können unter Beweis gestellt hat.) "Mindestens einmal pro Woche schaut jemand herein, der das Fitnessstudio für eine Galerie hält", sagt Cheuk.

                            Der für seine eleganten Hoteleinrichtungen bekannte Designer Samuel Amoia ist dafür verantwortlich, dass das Fitnessstudio S10 Training oft mit einer Kunstgalerie verwechselt wird
Der für seine eleganten Hoteleinrichtungen bekannte Designer Samuel Amoia ist dafür verantwortlich, dass das Fitnessstudio S10 Training oft mit einer Kunstgalerie verwechselt wird

Die besten gemeinschaftlichen Workouts finden jedoch nach wie vor auf der Straße statt. Kletterer und Freerunner haben genauso wie viele andere Sportler in den vergangenen Jahren die urbane Umgebung als neues sportliches Testgelände für sich entdeckt – und daraus sind neue Sportgruppen hervorgegangen.

Die meisten Radsportclubs halten sich verständlicherweise von den Schlaglöchern und dem Ampellabyrinth New Yorks fern und ziehen lieber in Parks und auf Nebenwegen ihre Runden. Nicht jedoch die Cyclones, eine Radsportgruppe, die von dem Wunderkind der Musikbranche, Jesse Israel, ins Leben gerufen wurde. (2005, als er noch in einem Studentenwohnheim der New York University lebte, hob er als Mitbegründer das Label Cantora aus der Taufe, das die Band MGMT entdeckte.) Die Gruppe entstand vor zwei Jahren, und zwar mit einer E-Mail, die Israel an 30 Freunde verschickte: "Ich schrieb darin: Wer von euch Lust auf ein kleines Abenteuer hat, der trifft mich am Fuß der Williamsburg Bridge!", erinnert er sich. Gemeinsam fuhren sie kreuz und quer durch Brooklyn bis nach Coney Island. Das Ganze sprach sich schnell herum, und Cyclones gründete schon bald einen Ableger in Los Angeles, und vergangenes Jahr auch in San Francisco. Bis heute halten die Organisatoren den Verlauf der Route geheim: Laut Israel ist es ein Teil des Vergnügens, keinem bestimmten Plan zu folgen. "Die Leute trainieren, doch geht es vor allem darum, gemeinsam Spaß zu haben", erklärt er. "Wir haben sogar Musik dabei – die Atmosphäre ist sehr entspannt und gesellig."

Der neue, kreative und gruppenorientierte Trainingsansatz ist ein mobiles Konzept, das jedoch vielleicht nicht für jede Umgebung taugt. "Mir scheint, dass das Ganze mehr in die Großstadt passt", sagt S10-Fan Harris. "Man versucht, eine enge Verbindung und einen roten Faden zu finden, um die Plackerei gemeinsam zu meistern."

Darrell Hartman lebt als freiberuflicher Autor in New York. Er ist zudem Mitbegründer der Website Jungles in Paris.
  • FOTO MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON S10 TRAINING
  • FOTO MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON GUN CLUB BROOKLYN