Sport
Fliegende Fäuste
In sportstudios in ganz amerika, vom neu eröffneten soho house chicago bis zum legendären gleason’s in brooklyn, entdeckt eine neue generation von modebewussten managern und büroangestellten den faszinierenden thrill – und das intensive workout – des boxens. Joshua David stein betritt den boxring.
Die Rhythmen eines Boxstudios sind rund und verführerisch. Die klirrenden Glocken… die Sandsäcke… jeder mit einem eigenen Tenor entsprechend seiner Größe. Die schweren Säcke – menschenförmig, aufgeschlagen, zusammengeklebt – hängen herunter wie Kadaver und lassen tiefe, hämmernde Basstöne erklingen, wenn sie geschlagen werden. Im Mittelbereich ertönt der melonengroße Doppelendball, aufgehängt zwischen Boden und Decke. Am hohen Ende ertönt das Triplett „bippity-bippity-bippity“ des Speedballs an seinem Brett. Es ist eine Symphonie, unterteilt in Drei-Minuten-Sätze, mit einer Minute Pause, unterbrochen durch ein störendes Summen oder ein dringendes Läuten. Aber die attraktivsten Sounds des Boxstudios sind nicht mechanisch. Sie werden von Menschen gemacht.
Ein Boxstudio ist randvoll angefüllt mit einer Klangkulisse aus Grunzen und den Atemgeräuschen von Boxern beim Training, mit den Rufen der Trainer, wenn ihre Kämpfer in dem knarrenden alten Boxring aufeinander losgehen, dem Jubel des Gewinners und dem stillen Davonschleichen des Besiegten.
Und während die Zeiten von Ali gegen Frazier schon Jahrzehnte zurückliegen, als der Kampf um den Titel im Schwergewicht ein gleichermaßen wichtiges kulturelles wie sportliches Ereignis war, bleibt Boxen mit seinem Mumm, Schweiß und Urreizen unvergänglich. In der Tat, in einem Zeitalter, das heute digital, virtuell und oberflächlich ist, hat der inoffizielle Sport der Armeestützpunkte und Gefängnisse unter den jungen und modebewussten Leuten Fuß gefasst – als Training und Spektakel.
Ein Boxstudio ist randvoll angefüllt mit einer Klangkulisse aus Grunzen und den Atemgeräuschen von Boxern beim Training, mit den Rufen der Trainer, wenn ihre Kämpfer in dem knarrenden alten Boxring aufeinander losgehen, dem Jubel des Gewinners und dem stillen Davonschleichen des Besiegten.
Und während die Zeiten von Ali gegen Frazier schon Jahrzehnte zurückliegen, als der Kampf um den Titel im Schwergewicht ein gleichermaßen wichtiges kulturelles wie sportliches Ereignis war, bleibt Boxen mit seinem Mumm, Schweiß und Urreizen unvergänglich. In der Tat, in einem Zeitalter, das heute digital, virtuell und oberflächlich ist, hat der inoffizielle Sport der Armeestützpunkte und Gefängnisse unter den jungen und modebewussten Leuten Fuß gefasst – als Training und Spektakel.
Schwergewichtschampion Joe Frazier liefert einen Herkules-reifen Schlag gegen Muhammad Ali im Kampf des Jahrhunderts
Im neu eröffneten Soho House in Chicagos West Loop wurde die gesamte zweite Etage einer ehemaligen Lagerhalle in ein Old-School-Boxstudio umgewandelt. Stattliche sandbraune Ledersäcke hängen von den Trägern, an der Wand sind fein säuberlich Handschuhe aufgereiht. Der Ring – dessen Boden von Seilen umgeben und mit Eckenprotektoren aus traditionellem gegerbtem Horween ausgestattet ist – nimmt die Mitte des Raumes ein, in dem sich die Kreativen aus China Town in der Mittagspause ein paar hart erkämpfte blaue Flecken abholen können. In Minneapolis bietet das Uppercut Gym Workouts an und ist Gastgeber für Events wie die Barista Championships. In New York hingegen bieten Standorte wie Equinox, Aerospace und Punch Fitness, ein Fitness-Studio mit Locations im Mark Hotel an der Upper East Side und in den Hamptons, auch gut verdienenden Managern und Büroangestellten die Chance, wie ein harter Boxkämpfer aus dem Norden Philadelphias zu trainieren.
ES IST EINE SYMPHONIE, ZERTEILT IN DREI-MINUTEN-SÄTZE, MIT EINER MINUTE PAUSE, UNTERBROCHEN DURCH EIN STÖRENDES SUMMEN ODER EIN DRINGENDES LÄUTEN.
Und während dieses neue Publikum eine bessere Trainingsausrüstung als Rockys Jogginganzug besitzt, folgt es dennoch Vergils Aufruf: „Nun, wer Mut und einen starken und gesammelten Geist in seiner Brust hat, lasst ihn vortreten, die Handschuhen anziehen und die Hände heben.“
Unter diesem Motto steht das Gleason’s Gym, eines der letzten beiden mythischen Boxer-Mekkas, die in New York verblieben sind. Ich weiß das, weil ich in den letzten zehn Jahren dort geboxt habe. Und als ich zum ersten Mal die schwere Metalltür zu Gleason’s Boxstudio im zweiten Stockwerk im DUMBO öffnete, wurde auch ich von den Rhythmen des Boxens verführt, und auch ich sah aus wie ein weiterer ahnungsloser Dilettant, berauscht von Machismo und Romantik. Und das, lieber Leser, war ich auch.
Unter diesem Motto steht das Gleason’s Gym, eines der letzten beiden mythischen Boxer-Mekkas, die in New York verblieben sind. Ich weiß das, weil ich in den letzten zehn Jahren dort geboxt habe. Und als ich zum ersten Mal die schwere Metalltür zu Gleason’s Boxstudio im zweiten Stockwerk im DUMBO öffnete, wurde auch ich von den Rhythmen des Boxens verführt, und auch ich sah aus wie ein weiterer ahnungsloser Dilettant, berauscht von Machismo und Romantik. Und das, lieber Leser, war ich auch.
Es ist Freitagabend in SoHo. Im Keller der ehemaligen Zentrale der Yippie-Bewegung im East Village bekommen ein paar Models und einige dieser Typen, bei denen man sich fragt, was sie in der Gesellschaft von Models machen, für den Kurs die Hände gewickelt. In ein paar Monaten wird das gesamte Gebäude als der Overthrow Boxing Club enthüllt: die Idee eines gut aussehenden, jungen Designers und Unternehmers namens Joey Goodwin, der auch unter dem Namen „The Soho Kid“ bekannt ist. Vorerst sind die oberen Etagen noch im Umbau, und die einzigen Anzeichen auf das kommende Overthrow sind ein paar Säcke, die dramatische Schatten in den niedrigen Raum werfen.
Es gibt ein paar mehr Kameras und offene Laptops, als man sie in der Regel in einem traditionellen Boxstudio sieht. Der Kurs, genannt „Boxing and Booze“ (Boxen und Alkohol), ist die pädagogische Komponente eines Boxprogramms, erklärt Goodwin, und soll in Zukunft auch die nicht genehmigten, im Untergrund durchgeführten Kämpfe einschließen, die er seit 2011 veranstaltet. (Wie lange diese prominent beworbenen, nicht genehmigten Kämpfe ohne Einmischung der New York State Athletic Commission weiterhin fortgesetzt werden, bleibt abzuwarten.) Auf einer Projektionswand an der Vorderseite des Untergeschosses laufen Videos früherer Untergrundkämpfe. Die Form ist, wie zu erwarten, erschreckend, aber die Kameraführung ist spitze: jede Menge gut aussehender, zigarettenrauchender Männer mit nacktem Oberkörper und jede Menge Frauen mit überwiegend nacktem Oberkörper und gespitzten Lippen. Es ist wie im Film Fight Club, nur ohne Fiktion, oder, aus einem stumpferen Winkel betrachtet, wie George Grosz gegen George Bellows.
Es gibt ein paar mehr Kameras und offene Laptops, als man sie in der Regel in einem traditionellen Boxstudio sieht. Der Kurs, genannt „Boxing and Booze“ (Boxen und Alkohol), ist die pädagogische Komponente eines Boxprogramms, erklärt Goodwin, und soll in Zukunft auch die nicht genehmigten, im Untergrund durchgeführten Kämpfe einschließen, die er seit 2011 veranstaltet. (Wie lange diese prominent beworbenen, nicht genehmigten Kämpfe ohne Einmischung der New York State Athletic Commission weiterhin fortgesetzt werden, bleibt abzuwarten.) Auf einer Projektionswand an der Vorderseite des Untergeschosses laufen Videos früherer Untergrundkämpfe. Die Form ist, wie zu erwarten, erschreckend, aber die Kameraführung ist spitze: jede Menge gut aussehender, zigarettenrauchender Männer mit nacktem Oberkörper und jede Menge Frauen mit überwiegend nacktem Oberkörper und gespitzten Lippen. Es ist wie im Film Fight Club, nur ohne Fiktion, oder, aus einem stumpferen Winkel betrachtet, wie George Grosz gegen George Bellows.
Berauscht von Machismo und Romantik, nimmt eine neue Welle schlanker Kämpfer die Kunst der alten Schule des Faustkampfs auf
Kurz darauf ruft eine gut aussehende Profi-Boxerin in kunstvoll eingerissenem T-Shirt namens Alicia Napoleon die Kursteilnehmer zusammen. Jay Zs „Can’t Knock the Hustle“ dröhnt aus den Lautsprechern. Ein paar Jungs, darunter Carlos Castillo (einer der Trainer im Mendez Boxing Gym, einem weiteren traditionsreichen Studio) und Sidney Smith (eine Legende der West 4th Street Basketballplätze) entspannen sich nahe der Couch im Hintergrund. Der Kurs erweist sich als ziemliches Standard-Gruppentraining: Es gibt massig Push-ups, ein bisschen Arbeit am Sandsack und einige Minuten Schläge gegen die Handschuhe. Die Models zeigen nicht die geringsten Anzeichen von Schwäche. Sie sind zwar gertenschlank, aber dennoch Kämpfer. Charlie Himmelstein, der Champion des Untergrund-Model-Boxclubs, hilft mit, hält Polster und Säcke fest und unterstützt, wo es nötig ist. Wir trainieren eine Stunde lang. Anschließend gibt es Bier und Instragram-Bilder.
„Nun, wer Mut und einen starken und gesammelten Geist in seiner Brust hat, lasst ihn vortreten, die Handschuhen anziehen und die Hände heben.“
Während es unwahrscheinlich ist, dass der nächste Weltmeister im Schwergewicht (oder Fliegengewicht) ein in Amerika geborenes ehemaliges Laufstegmodel mit einer Unmenge von Instagram-Anhängern und fast genauso vielen Tattoos wird, sind der Aufstieg des Overthrow – zusammen mit dem Soho House Chicago, dem Uppercut und dem Rest – willkommene Zeichen für jeden Fan. Wenn Sie Faustkämpfe so sehr lieben wie ich, wie kann man dann – den Hauch von Posertum mal beiseite lassend – nicht zufrieden sein, wenn immer mehr Menschen diesen Sport ausprobieren? Und wer weiß, vielleicht befindet sich ja ein Ali unter ihnen.
Wenn das Boxen mich eine Sache gelehrt hat, dann ist es die, dass man die wahren Kämpfer erst dann erkennt, wenn sie kämpfen. Das kommt sogar für die Kämpfer selbst überraschend. Wenn noch eine Minute in einer Runde übrig ist und die Glocke einfach nicht klingeln will, wenn man dann nicht selbst den nächsten Schlag bringt, geschlagen wird – da kommt allerhand zutage. Selbst die scheinbar härtesten Kämpfer verwelken da, und selbst die zartesten werden da sofort hart. Im Ring wird das Prestige des Boxens zu etwas viel Ernsterem.
In dieser Nacht, als ich Kombinationen gegen einen schweren Sack im Kellergeschoss schlug und Hipster ihre harte Seite minutiös dokumentierten, konnte ich mich nicht nachdenken oder atmen hören und schon gar nicht die Rhythmen aufnehmen, die ich von meinem eigenen Studio gewohnt war. Aber wenn es im März eröffnet wird und der Boxring durch seine Seile einsteigende Kämpfer begrüßt, wenn Fassaden fallen und Boxhandschuhe geschnürt werden, dann wird das Overthrow beweisen, ob es der Bezeichnung eines Boxclubs würdig ist. Und ich hoffe, dass ich beim Eröffnungsgong mit dabei bin.
Wenn das Boxen mich eine Sache gelehrt hat, dann ist es die, dass man die wahren Kämpfer erst dann erkennt, wenn sie kämpfen. Das kommt sogar für die Kämpfer selbst überraschend. Wenn noch eine Minute in einer Runde übrig ist und die Glocke einfach nicht klingeln will, wenn man dann nicht selbst den nächsten Schlag bringt, geschlagen wird – da kommt allerhand zutage. Selbst die scheinbar härtesten Kämpfer verwelken da, und selbst die zartesten werden da sofort hart. Im Ring wird das Prestige des Boxens zu etwas viel Ernsterem.
In dieser Nacht, als ich Kombinationen gegen einen schweren Sack im Kellergeschoss schlug und Hipster ihre harte Seite minutiös dokumentierten, konnte ich mich nicht nachdenken oder atmen hören und schon gar nicht die Rhythmen aufnehmen, die ich von meinem eigenen Studio gewohnt war. Aber wenn es im März eröffnet wird und der Boxring durch seine Seile einsteigende Kämpfer begrüßt, wenn Fassaden fallen und Boxhandschuhe geschnürt werden, dann wird das Overthrow beweisen, ob es der Bezeichnung eines Boxclubs würdig ist. Und ich hoffe, dass ich beim Eröffnungsgong mit dabei bin.
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