Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren
November 2025
RL/Kultur

Rennfahrer der Zukunft

Einmal im Jahr wird beim legendären Festival of Speed des britischen Goodwood Revivals die Strecke den Kindern und ihren Austin-J40-Oldtimern überlassen. Und das Kind, das als Erstes mit seinem Auto über die Ziellinie fährt, gewinnt den begehrten Settrington Cup
Ein Samstagmorgen im September in Südengland. Sonnenschein und Regenschauer. Der Gestank von Motoröl vermischt sich mit dem Geruch von feuchtem Tweed. Eine Lautsprecherdurchsage wird vom pulsbeschleunigenden Dröhnen leistungsstarker Motoren aus dem nahegelegenen Fahrerlager übertönt. Es bleiben nur noch wenige Minuten bis zum Schwenken der grünen Flagge, und die Spannung steigt bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Settrington Cup 2025 – dem am härtesten umkämpften Rennen des prestigeträchtigen Goodwood Revival Meetings. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, Taktiken werden besprochen und es wird etwas getrunken. (Coca-Cola ist eine beliebte Wahl.) Die Luft ließe sich mit einem Plastikmesser schneiden. Ein weiterer Hinweis auf das unverwechselbare Profil der Fahrerinnen und Fahrer: „Wenn du pinkeln musst“, ruft ein Ordner, „ist jetzt deine letzte Chance.“ Während der Regen heftig auf meinen Regenschirm prasselt, bahne ich mir einen Weg durch das Feld, um ein paar Worte mit der Fahrerin von Wagen 17 zu wechseln. Paloma Twyman in ihrem auffälligen Overall mit dem Monogramm von Ralph Lauren wirkt selbstbewusst. Sie nimmt bereits zum zweiten Mal am Settrington Cup teil und wirkt konzentriert, entschlossen und – angesichts der Bedingungen – bewundernswert gelassen.
Wenn man 70 Kinder sieht, die so fest in die Pedale treten, wie sie können, wobei ihre Knie wie Kolben pumpen, dann ist das ein Ausdruck englischer Exzentrizität in ihrer ausgeprägtesten Form.
Ich frage, ob sie irgendwelche Ratschläge für Fahranfängerinnen und -anfänger hat? „Ellbogen raus!“, sagt sie. Paloma Twyman ist fünf Jahre alt. Der Settrington Cup, der dieses Jahr zum ersten Mal von Ralph Lauren präsentiert wird und für den man eine Einladung benötigt, ist ein Tretautorennen für Kinder zwischen vier und zehn Jahren. Die schnittigen Maschinen sind, wie alle Fahrzeuge, die heute hier fahren, Oldtimer: Austin J40er. In den 1950er-Jahren standen diese wunderschönen Autos auf den Vorplätzen der Austin-Händler in ganz Großbritannien und wurden als teures Spielzeug an privilegierte Fans – und deren Kinder – verkauft. Jetzt wechseln sie für bis zu 5.000 £ ihre Besitzer. ($6,800) Ich erkenne einen Mann im „Aston Martin Racing“-Overall und einer schicken Stoffkappe. Es ist Darren Turner, ein ausgezeichneter britischer Fahrer und dreimaliger Gewinner des 24-Stunden-Rennens von Le Mans, der leider ein bisschen zu alt ist, um am diesjährigen Settrington Cup teilzunehmen. An seiner Stelle hält Darrens Sohn Dylan Turner die Familienflagge hoch. Dies ist Dylans vierter und als Zehnjähriger auch sein letzter Versuch, den Pokal zu gewinnen. (Dylan ist nicht der einzige Nachkomme eines berühmten Autonarren, der heute an den Start geht. In Wagen 22: Hendrix Button, Sohn des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Jenson Button. In Wagen 194: Lenny Button, seine Tochter.) Darren erzählt mir, dass er seinen J40 zufällig in einem Automuseum auf den Cayman Islands gefunden hat. Als der Besitzer starb, sagte seine Witwe, Darren könne ihn haben. Er brachte ihn nach England und ließ ihn vollständig restaurieren. Die Lager wurden ersetzt, die Pedale gefettet, und er erhielt einen prächtigen blauen Neuanstrich. Der Settrington Cup wird, wie alle Rennen beim Goodwood Revival, im Geiste eines freundschaftlichen Wettbewerbs ausgetragen. Das heißt aber nicht, dass er nicht ernst genommen wird. Und es bedeutet nicht, dass die Teams nicht unbedingt gewinnen wollen. „Ehrlich gesagt glaube ich, dass es eher an den Eltern liegt“, sagt Darren mit der hochgezogenen Augenbraue eines Mannes, der es schon mit so einigen schlechten Beifahrern, die glauben alles besser zu wissen, zu tun hatte. Taktik? „Der Anfang ist entscheidend“, sagt Darren. „Und in den Schikanen besonders gut aufpassen.“ Wie im Leben, so auch im Motorsport.
VOM KINDERSITZ ZUM FAHRERSITZ
Dies ist das erste Jahr, in dem Ralph Lauren den Settrington Cup sponsert, bei dem Väter als Boxencrew fungieren und „Ellbogen raus“ die Gewinnerstrategie ist.
Das Goodwood House ist ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, das inmitten einer 44,5 km² großen Parklandschaft außerhalb von Chichester, Sussex, an Englands windgepeitschter Südküste steht. Hier befindet sich seit 300 Jahren der Stammsitz der Herzöge von Richmond und Gordon. Hier ist die Heimat einer Kunstkollektion von Weltklasse, einer berühmten Rennstrecke, auf der das Glorious Goodwood Meeting stattfindet, eines Golfplatzes und seit 1948 des Goodwood Motor Circuits, dem Austragungsort des alljährlichen Festival of Speed. Revival, ein dreitägiges Festival, das jedes Jahr im September stattfindet, ist eine Hommage an die Autos, die in ihrer frühen Form zwischen 1948 und 1966 auf der Strecke gefahren sind. Danach wurde es drei Jahrzehnte lang still um sie. Es ist auch eine Hommage an den Stil dieser Zeit. Viele Festivalbesucherinnen und -besucher kommen in historischen Kostümen. Ich sehe Spivs aus den 1940er- und Hippies aus den 1960er-Jahren, Frauen in praktischen Rockanzügen und sogar einen verrückten Typ im Zoot-Anzug. Der derzeitige Herzog von Richmond, der den Titel und das Haus 1994 erbte, belebte die Rennstrecke Ende der 1990er-Jahre wieder. Ihn als Rennsport-Enthusiasten zu bezeichnen, wäre eine grobe Untertreibung. Seine Gnaden gibt Vollgas zum Frühstück. Der 2012 eingeführte Settrington Cup war seine Idee. „Wir dachten einfach, dass es eine wunderbare Sache wäre und richtig Spaß machen würde, ein Rennen für Kinder zu veranstalten“, sagt der Herzog. „Es ist mittlerweile unser Rennen mit den meisten Anmeldungen! Viele der Fahrerinnen und Fahrer, die hierher kommen und Rennen fahren, bringen jetzt ihre Kinder mit, die dann im Settrington Cup antreten. Es ist das charmanteste Rennen des ganzen Wochenendes.“ Was Revival als Ganzes betrifft, „So etwas gibt es wirklich nirgendwo sonst auf der Welt. Durch die historische Inszenierung entsteht eine Art Magie, an der alle teilhaben möchten. Wohin man auch schaut, die Leute haben einfach eine tolle Zeit.“ Er hat nicht Unrecht. Wenn man 70 Kinder sieht, die vor einer voll besetzten Tribüne voller ausgelassener Zuschauerinnen und Zuschauer in historischen Kostümen so fest in die Pedale treten, wie sie können, wobei ihre Knie wie Kolben pumpen, dann ist das ein Ausdruck englischer Exzentrizität in ihrer ausgeprägtesten Form. Es ist albern, lustig und auf eine seltsame Art und Weise auch bewegend. Das Rennen selbst ist im Nu vorbei. Und er holte sich mit einigem Abstand die Zielflagge, ganz der Vater: Dylan Turner! „Er hat vor dem Rennen vor Nervosität gezittert“, erzählt mir Dylans Mutter Katie, während sich die Presse um ihren siegreichen Sohn schart. „Er wusste, dass es seine letzte Chance war.“ Pass auf, Lewis Hamilton. Dieser Junge wird es weit bringen. Und zwar schnell.

Alex Bilmes ist ein in London ansässiger Autor und Redakteur. Er ist Redakteur der HTSI der Financial Times und arbeitete zuvor als Redakteur bei British Esquire.