Ob Regen oder
Sonnenschein
Jerry Laurens einzigartige Kollektion amerikanischer Volkskunst – darunter eine Reihe historischer Wetterfahnen – ist eine fortdauernde Inspirationsquelle für die Polo-Designs
Das Titelblatt der Zeitschrift Antiques. Die Seiten in Architectural Digest. Die Ausstellungsräume des American Folk Art Museum an der Upper West Side in New York. Und nun – oder besser gesagt, nun wieder – Intarsienstrickereien auf einem Polo-Pullover. Dies sind Orte, an denen die einmalige Sammlung alter amerikanischer Wetterfahnen und anderer beeindruckender Beispiele amerikanischer Volkskunst aus dem Besitz von Ralph Laurens Bruder, Jerry, zu finden sind.
Als der amerikanische Modedesigner schlechthin hat Ralph Lauren in den vergangenen 50 Jahren annähernd jeden Aspekt des Stils und der Geschichte Amerikas in seinen legendären Kollektionen verarbeitet. Polo Country, ein in den 80er Jahren gegründetes, auf Americana spezialisiertes Traditionslabel, ist nur ein Beispiel dafür.
Die robusten Pullover, Ledermokassins und Flanellhemden des Labels sind eine Hommage auf die Waren in den rustikalen Landläden in New England und die bodenständige Handwerkskunst des jungen Amerikas. Die von Utility-Modellen inspirierten Designs sind langlebig, altern wunderschön und haben inzwischen Sammlerwert – ganz wie Jerrys berühmte und museumstaugliche Kollektion amerikanischer Volkskunst. (Im Jahr 2021 bereicherte Jerrys beeindruckende persönliche Wetterfahnensammlung die Ausstellung American Weathervanes: The Art of the Winds des American Folk Art Museums sowie die dazugehörige Publikation.)
In dieser Saison huldigen zwei neue Pullover der Polo-Herbstkollektion 2022 Jerrys Passion für Wetterfahnen. Die Designs basieren auf Strickmodellen aus dem Archiv von Polo und Polo Country von Mitte bis Ende der 80er Jahre, und sind mit intarsiengestrickten Wetterfahnen versehen, die von genau den antiken Modellen inspiriert wurden, die Jerry damals zu sammeln begann.
Im Folgenden reflektiert Jerry über seine Liebe zur amerikanischen Volkskunst und darüber, wie seine Leidenschaft die Ästhetik von Polo jahrzehntelang beeinflusst hat.
Ihre Sammlung von Volkskunst ist legendär. Wie hat alles begonnen?
Meine Frau und ich kauften ein Haus in Litchfield, Connecticut, das 1785 erbaut wurde. Es war uns wichtig, dem Alter des Hauses durch gute Pflege Respekt zu zollen. Wir entdeckten die örtlichen Antiquitätenmessen in New England und an der Küste von Maine für uns. Dieses Haus war meine Quelle der Inspiration, und seither sind wir Sammler.
Und jeder der von Ihnen gesammelten Gegenstände hat eine lange Geschichte.
Genau so ist es. Die Wetterfahnen und wie sie genutzt wurden ist von historischer Bedeutung. Zum Beispiel besitze ich eine etwa 1,80 Meter lange Lokomotive aus hohlem Kupfer, die sich selbstverständlich auch mit dem Wind dreht. Sie wurde in den 1780ern auf einem Eisenbahngebäude in Massachusetts errichtet. Ein anderes Beispiel ist ein hölzerner Hahn, der früher auf dem Dach eines Gerichtsgebäudes stand. Und dann ist da noch ein Polospieler auf einem Pferd, der gerade ein Tor schießt. Das ist fantastisch – typisch Polo! Die Wetterfahne wurde für einen Polo-Verein angefertigt, der sie auf seinem Dach aufstellte.
Man sieht ihnen ihren Alterungsprozess an, und das ist etwas ganz Besonderes. Einige von ihnen waren ursprünglich mit Blattgold überzogen, das im Laufe der Jahre durch Witterungseinflüsse abgetragen wurde, woraufhin sich eine Grünspanpatina auf ihrer Oberfläche entwickelte. Dieser Alterungsprozess trägt maßgeblich zu ihrem Charme bei.
Diese Ästhetik und die alten amerikanischen Landläden bildeten in den Achtzigern die Grundlage für Polo Country, nicht wahr?
Das lag an der Farm- und Ranchkultur und der damit verbundenen traditionellen Bekleidung. Mokassins, Quilts, alte Scheunen, amerikanische Flaggen, Denim – das alles war Teil von Polo Country. Das war nur eine von vielen Arten, wie Ralph die amerikanische Geschichte und Kultur zelebrierte – mit rustikalen Pullovern, Prärieröcken, Westernwear, Kattunstoffen, Patchworkpullovern, Steppmustern, amerikanischen Adlern usw. All das ist Teil der amerikanischen Kultur.
Einige dieser alten Pullover von Polo Country strahlen eine solche Magie aus und sind so wunderbar langlebig, dass sie seit Jahrzehnten unter Sammlern begehrt sind. Warum ist das so?
Das liegt zum einen an dem robusten, selbstgesponnenen Garn, das wir verwenden, und zum anderen an ihrer Konstruktion – beides ist überaus authentisch. Ich glaube aber auch, dass es uns und den Sammlern darum geht, die amerikanische Country-Kultur auf würdige Weise zu feiern: mit kunstvollen, von Hand gefertigten Modellen. Und sie alle tragen viel Geschichte in sich. Diese Musterquilts, zum Beispiel, sind voller Erinnerungen. Ein altes Haus auf dem Lande, Pferde und Stiere und amerikanische Flaggen. All diese Motive verweisen auf unsere Historie.
Was genau faszinierte Sie an Wetterfahnen? Sie verfügen über eine der weltweit schönsten Sammlungen dieser Art.
Picasso nannte Wetterfahnen „großartige Kunstwerke“, und ich bin ganz seiner Meinung. Ich war schon immer von ihnen fasziniert – ihren vielen verschiedenen Designs und ihrem Ursprung. Ich begann sie zu kaufen, da ich die schöne Patina bewunderte. Das Kupfer, das vergrünt und das Teakholz, das ergraut. Man sieht ihnen ihr Leben an, und sie altern so wunderschön.
Doch als meine Frau und ich damit begannen, eine Sammlung aufzubauen, ging es nicht nur um Wetterfahnen. Man sieht das auch auf diesen Pullovern [aus der Herbstkollektion 22 von Polo]: Auf einem Modell sieht man Wetterfahnen und Dekorelemente der amerikanischen Ureinwohner. Auf einem anderen eine alte amerikanische Flagge, ein Wagenrad, ein Steppmuster. Das alles sind kleine Kunstwerke, die zusammen Amerika ausmachen. Genau daher steht Polo wie keine andere Marke für amerikanisches Modedesign. Wir reflektieren die amerikanische Geschichte und lassen uns von der Vergangenheit inspirieren.
Wie bei Polo geht es nicht nur um das Produkt selbst – eine eingetragene Jeans, einen rustikalen Landhauspullover – sondern darum, was es repräsentiert: Geschichte und Handwerk.
Genau – es geht um Americana.
Was ich sammle, was wir herstellen, was uns inspiriert: all das ist Amerika. Amerikanische Folklore, von überall her: Vom traditionellen Handwerk bis zur Kunst der amerikanischen Ureinwohner – hinter allem steckt viel Geschichte. Ob Wetterfahnen oder eine Sammlung von Gemälden von Bill Traylor, einem ehemaligen Sklaven und Autodidakten, der erst mit 85 Jahren zu malen begann. Diese Art von Volkskunst ist Amerika.
- MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON OLYA VYSOTSKAYA
- © Ralph Lauren Corporation



