Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren
November 2025
RL/Kultur

NATURWUNDER

Ralph Laurens neue Kollektion Canyon Road ist von Georgia O’Keeffes berühmten Rückzugsorten in New Mexico sowie vom rustikal charmanten Fluidum US-amerikanischer Künstlerinnen und Künstler der Vergangenheit und der Gegenwart inspiriert.
Von Shannon Adducci
Georgia O’Keeffes Haus in Abiquiú, mit Blick auf die Plazuela, den offenen Innenhof der alten Hazienda, der die Künstlerin als Erstes begeisterte. Der Weg ist von den lederbezogenen Windlichtern Preston aus der Kollektion Canyon Road gesäumt.
Etwas mehr als eine Autostunde außerhalb von Santa Fe, an einem Ort namens Rancho de los Burros, lehnt eine Leiter an der Lehmziegelwand eines Hauses. Sie haben sie wahrscheinlich schon selbst auf Fotos gesehen. Es ist die Leiter, auf die Georgia O’Keeffe früher kletterte, um die Nächte unter freiem Himmel auf dem Dach zu verbringen, sodass sie im Morgengrauen einen vollständigen Blick auf den Cerro Pedernal hatte – den Tafelberg in den Jemez Mountains von New Mexico, der in vielen ihrer Werke zu sehen ist. Das Gleiche gilt für die Leiter selbst, die in ihrem Werk Leiter zum Mond (1958) als surreales Objekt am Himmel schwebt – mit dem Cerro Pedernal in der Ferne darunter. „Als ich sie sah, wusste ich sofort, dass ich sie haben muss,“ sagte Georgia O’Keeffe einmal über die Ghost Ranch, das Anwesen, auf dem sich Rancho de los Burros befindet – das kleine Landhaus, in dem der Besitzer dieser ehemaligen Ferienranch gelebt hatte. Die Künstlerin mietete das Haus ab 1934 und kaufte es sechs Jahre später samt dem 2,8 Hektar großen Grundstück – ihr eigenes Stück Himmel, geschützt durch 8.500 Hektar umliegendes Land. Im Jahr 1945 kaufte Georgia O’Keeffe eine alte Lehmziegel-Hazienda im nahegelegenen Abiquiú, die sie in ihr Winterhaus und zweites Atelier verwandelte. Die beiden Anwesen wurden zu einer der wichtigsten Inspirationsquellen für die Künstlerin und werden als Teile ihrer „Black Place“-Serie, die sie in ihren frühen Jahren auf der Ghost Ranch malte, und ihrer „White Place“-Werke, die auf einer weißen Felsformation basieren, die vom Haus in Abiquiú aus zu sehen ist, dargestellt.
„Hier draußen wird die Hälfte der Arbeit für einen erledigt“, sagte Georgia O’Keeffe über ihre Zeit im Norden von New Mexico, auf der Ghost Ranch und in Abiquiú.
Sowohl die Ghost Ranch als auch das Abiquiú-Haus bilden die Kulisse für Ralph Laurens neuste Home-Kollektion Canyon Road – eine facettenreiche Auswahl an Designs, die von der rustikalen Schönheit des US-amerikanischen Westens und vor allem von den dramatischen Landschaften, den erdigen Lehmziegelhäusern und dem Kontrast von Entbehrung und Handwerkskunst inspiriert sind, durch die sich der Zufluchtsort der Künstlerin im Südwesten der USA auszeichnete. Ein Großteil der Möbel aus der Kollektion Canyon Road ist aus von Hand ausgewählter Eiche und handpoliertem Sattelleder gefertigt – wie zum Beispiel Beistellstühle mit Nagelkopfumrandung aus Messing sowie robuste Ess-, Konsolen- und Cocktailtische mit schlichtem, geradlinigem Design, das die natürliche Struktur des Holzes besonders gut zur Geltung bringt. Die warmen, rustikalen Möbelstücke bilden einen schönen Kontrast zu Home-Artikeln wie Bettlaken aus edlem Baumwollperkal mit zarten, farblich passend gestickten botanischen Bordüren und einer Reihe von handgehämmerten Krügen und Schüsseln aus vernickeltem Messing, die dem Dekor eine gewisse Patina verleihen. „Die Kollektion Canyon Road spiegelt meine langjährige Begeisterung für den US-amerikanischen Westen wieder – die heroische Schönheit seiner Landschaften, sein einzigartiges Erbe sowie die indigenen Völker, die seit Jahrhunderten zur Bewahrung seiner Landschaften und Traditionen beitragen“, sagt Ralph Lauren über die Kollektion – die auch Designs aus einer neuen Kollaboration mit der Künstlerin Naiomi Glasses umfasst, die im Rahmen des „Artist in Residence“-Programms entstanden sind.
Im Uhrzeigersinn von links oben: Eine weitere Hofszene; im Atelier der Künstlerin, mit dem Eichenkonsolentisch aus der Kollektion Canyon Road, dem mit Nägeln besetzten Lederschirm Glenwood und Textilien von Naiomi und Tyler Glasses; dem Leder-Beistellstuhl aus der Kollektion Canyon Road mit dem Krug Evans aus gehämmertem Messing; persönliche Gegenstände von Georgia O’Keeffe.
Dieses Mal arbeitete die Textilherstellerin der Diné (Navajo) in der siebten Generation mit ihrem Bruder Tyler Glasses zusammen, um mithilfe der Webtechniken, welche die Geschwister von ihrer verstorbenen Großmutter, der bekannten Künstlerin Nellie Glasses, gelernt haben, eine Reihe von Stoffen, Bodenbelägen und Textilien zu entwerfen. Dazu gehört ein von Tyler Glasses entworfenes und aus Woll- und Baumwollgarnen gewebtes Kissen mit unterschiedlich breiten Streifen – einer Anspielung auf die Felsformationen in Navajo Nation – sowie sogenannte „Eye Dazzlers“, eine von vierseitigen Kreuzen umrahmte Raute (die Zahl Vier hat in der Tradition der Navajo eine besondere Bedeutung, da sie auf die vier Himmelsrichtungen der Erde und die Sterne verweist). In der Kollektion findet sich außerdem Naiomi Glasses’ Decke Rena mit Spinnenfrauen-Kreuzen, einem Symbol für die Schöpferin und Lehrerin der Navajo-Webtradition. Das Spinnenfrauen-Kreuz und die Eye-Dazzler-Motive finden sich auch auf einer Reihe von Accessoires aus Zinn, welche die beiden Geschwister ebenfalls für Canyon Road entworfen haben: ein Servierset, ein Tablett, Serviettenringe, Salz- und Pfefferstreuer, Vasen und Votivkerzen. Sie werden zusammen mit genau den Steinen gezeigt, die Georgia O’Keeffe früher sammelte: glatte, große Kieselsteine, die noch immer in ihrem Studio auf der Ghost Ranch liegen.

SHANNON ADDUCCI lebt als Autorin und Moderedakteurin in New York. Ihre Artikel erschienen in Elle, GQ, Departures, Robb Report, WWD und T: The New York Times Style Magazine