Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren
Mai 2026
RL/Menschen

Schöner Schwung

Einer der größten Golf-Champions spricht über seinen Sport: was er daran liebt, was er daran hasst und wie er am Ende alles gewann.
Von Jay Fielden
Bevor ich Schriftsteller werden wollte, träumte ich davon, die PGA Tour zu erobern. Ich war ungefähr neun Jahre alt, als mein Großvater mir eines Abends bei Sonnenuntergang in Westtexas zum ersten Mal einen Golfschläger in die Hand drückte, um mir das Schwingen beizubringen. Lange nachdem die Laternen angingen, war ich immer noch draußen bei den Mücken und orientierte mich an meinem Schatten, um die richtige Form zu finden, die er mir gezeigt hatte. Irgendwie machte mir das Spaß, sogar ohne Ball. Und als endlich ein Ball ins Spiel kam, war es um mich geschehen. Ich dachte fast nur noch an Golf. Und an meinen Lieblingsgolfer Tom Watson, den ich im Fernsehen gesehen hatte und über den ich alles aus Golf Digest wusste. Lag es an seinem kastanienbraunen Haar, seinem lässigen Lächeln mit der Zahnlücke oder an den rauen, flachen Vokalen seines Missouri-Dialekts, die etwas ernster klangen als der Spaghetti-Western-Akzent mit seinen Diphthongen, den ich gewohnt war? Es war all das und noch mehr: nämlich der Rhythmus und die Balance seines beneidenswerten Schwungs, der ihm acht Major-Titel einbrachte, darunter eines der berühmtesten Finishes in der Geschichte der U.S. Open, zwei Green Jackets und fünf Claret Jugs. Nicht zu vergessen sein klassischer Look (ich sage nur Sattelschuhe), der meinem jüngeren Ich sicherlich aufgefallen ist. Anfang dieses Frühjahrs telefonierte ich mit ihm in seinem Haus in Scottsdale, Arizona, bevor er sich auf den Weg zu einem seiner häufigen Pickleball-Spiele machte. „Ich versuche, überall zu spielen“, sagte er, fügte aber hinzu: „Wenn es denn mal eine ernstzunehmende Konkurrenz gibt.“

Watsons weniger bekannte Lieblingsgolfplätze in Schottland

Shiskine, Isle of Arran

„Ein echter Links Course. Ich habe auf dem kleinen 12-Loch-Küstengolfplatz mit Leihschlägern und Straßenschuhen gespielt – großartig.“

Machrihanish, Kintyre-Halbinsel

„Ein Platz, auf dem ich schon immer mal spielen wollte.“

Tobermory, Isle of Mull

„Ein wundervoller Ort auf einer Insel südlich von Skye – ein windabgewandter Hafen direkt am Atlantischen Ozean.“

Golf als Sportart ist wie ein Familienerbstück: Es wird weitergegeben. War das bei Ihnen auch so?

Golf Digest hat, glaube ich, in den 70er-Jahren eine Umfrage durchgeführt. Das Magazin fragte alle Golfprofis, wer sie zum Golfspielen gebracht hatte. Etwa 80 Prozent nannten ihren Vater. Auch für mich war es ein Familiensport. Mein Vater nahm mich und meinen älteren Bruder mit in den Kansas City Country Club. Er war ein sehr guter Golfer – er hat ein paar Mal an den nationalen Amateurmeisterschaften teilgenommen – und er hat uns die Grundlagen beigebracht, als ich sechs Jahre alt war. Kopf ruhighalten, beim Rückschwung dem Ziel den Rücken zudrehen und – das Wichtigste! – beim Durchschwung mit dem Bauchnabel zum Loch zeigen.

Sie spielen nun schon seit 70 Jahren. Hatten Sie es jemals satt?

Ja, auf jeden Fall als ich auf der Tour eine miserable Serie hatte. Manchmal habe ich sechs Wochen lang keinen Schläger angerührt. Als ich eines Tages mit meinem Schwung kämpfte, fluchte ich lautstark vor meinem alten Kumpel Stan Thirsk. „Ich hasse dieses verdammte Spiel!“, beschwerte ich mich. „Ja, ja“, sagte er, „du hasst es wirklich, nicht wahr?“ „Ja“, sagte ich, „ich hasse es wirklich!“ Er sah mich nur an. „Keine Sorge“, meinte er, „das Blatt wird sich schon wieder wenden.“ Natürlich hatte er Recht. Bald liebte ich es wieder.

Die diesjährigen U.S. Open finden in Shinnecock statt. Was ist das Geheimnis, um dort zu gewinnen?

Das ist ein schwieriger Golfplatz. Es gibt dort sehr, sehr präzise Schläge, die man gut spielen muss. Das 9., das 10., das 11. … wenn man diese drei Löcher nicht schafft, hat man keine Chance auf den Sieg.

Sie sind seit den frühen 90er-Jahren Polo-Golf-Botschafter. Wie würden Sie Ihren persönlichen Stil beschreiben?

Funktionsmaterialien haben den Golflook verändert. Auf der Tour herrscht eher Casual Friday als die formelleren, klassischen Looks, die ich bevorzuge. Ich bin altmodisch, aber das ist das Schöne an Ralph Lauren – er vereint beides. Ohne Sattelschuhe gehe ich einfach nicht auf den Platz. Und ich bin ein Fan von Kaschmirpullovern. Es gibt verschiedene Dicken, die einen bei unterschiedlichem Wetter warm halten. Und davon hat Ralph Lauren jede Menge.

Sie haben wahrscheinlich ein Pickleball-Spiel oder etwas Ähnliches und müssen bald los. Lassen Sie mich noch eine Frage stellen: Wie wichtig ist es, einen echten Rivalen zu haben – in Ihrem Fall Jack Nicklaus?

Na ja, ich hatte immer einen Rivalen. Als ich aufwuchs, war das mein älterer Bruder Ridge. Er war drei Jahre älter, größer, stärker, er schlug den Ball weiter – und ich habe immer versucht, ihn zu besiegen. Als Kind hielt ich Jack für einen Bösewicht, weil er meinen Helden Arnold Palmer besiegt hatte. Als ich dann bei der Tour mitmachte, war Nicklaus der Mann, den es zu schlagen galt.

Sie beide haben sich viele Duelle geliefert, das denkwürdigste davon vielleicht bei den U.S. Open 1982 in Pebble Beach, die erst auf den letzten beiden Löchern entschieden wurden. Wie haben Sie das geschafft?

Ich hatte noch nie so schlecht Golf gespielt wie zum Turnierbeginn in diesem Jahr. Ich war einfach nur schlecht! Während der Übungsrunden habe ich ständig versucht, irgendeinen Trick zu finden, der meinen Schwung verbessern würde. Aber nichts half, also beschloss ich, das Chippen des Balls von knapp neben dem Grün an den abfallenden Hängen zu üben. In den ersten beiden Runden lag ich so weit daneben, dass ich den Ball buchstäblich in die Zuschauerränge schlug, aber ich hatte Glück, weil das dichte Rough niedergetrampelt war. Durch geschickte Täuschungsmanöver gelang es mir irgendwie, mit even par ins Wochenende zu gehen. Am Freitagnachmittag ging ich wieder direkt auf die Driving Range, immer noch auf der Suche nach dem alles entscheidenden Trick. Plötzlich erinnerte ich mich an einen Tipp, den mir Sam Sneed einmal gegeben hatte: Ich solle meinen linken Arm beim Rückschwung nah an meiner Brust halten. Und das hat funktioniert! Ich habe in den letzten beiden Runden so gut wie jedes Fairway getroffen. Alle Bälle habe ich eingelocht. Und natürlich landete der vielgeübte Chip beim 17. im Loch. Ich schätze, das ganze Üben im kurzen Spiel hat sich als ziemlich gute Strategie erwiesen.
EIN PERFEKTES ZUSAMMENSPIEL
Watson ist seit den frühen 1990er-Jahren auf vielen Fotos als Polo-Golf-Botschafter zu sehen. Im Jahr 1982 (siehe oben) sicherte er sich seinen Sieg bei den U.S. Open, indem er am 17. Loch aus dem Rough chippte und den Ball einlochte.

Bevor Sie diesen Ball versenkt haben, lagen Sie mit Nicklaus gleichauf. Wie haben Sie die Nerven behalten?

Man besinnt sich auch das, was man gelernt hat. Der Druck darf nicht zu groß werden. Man braucht ein wenig für die Performance, aber nicht so viel, dass man die Nerven verliert. Also geht man langsamer, atmet tiefer, gähnt sogar. Man muss die Lungen mit Luft füllen. Wenn man vor Angst erstarrt, atmet man flacher. Deshalb muss man die Lungen mit Luft füllen, um sich zu entspannen.

Ich schätze, das war nicht Ihr erstes Rodeo …

Eines Sommers machte mein Vater mit uns einen Familienurlaub in Colorado. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Golfplatz vorbei. Wir hielten an, holten die Golfschläger heraus und mein Vater ging hinein, um zu bezahlen. Der Mann fragte: „Wie alt ist der Junge?“ „Acht“, sagte mein Vater. „Der kann hier nicht spielen – der ist noch zu jung.“ Mein Vater war Versicherungsvertreter und fing an zu verhandeln. „Wissen Sie was? Wenn mein Sohn den Ball vom Abschlag dort über den Bach schlagen kann, darf er dann spielen?“ Der Mann sah mich an und willigte ein. Ich dachte nur: „Oh je.“ Aber ich habe den Ball rund 115 Meter weit das Fairway hinunter und über den Bach geschlagen. Das war meine erste Begegnung mit Druck auf einem Golfplatz.

JAY FIELDEN, der ehemalige Redakteur von Esquire,Town & Country und Men’s Vogue, ist Schriftsteller und Dichter.