Auf der Suche nach der perfekten Montana-Erinnerung.
Von David Coggins
Wenn ich in Montana aufwache, ist jeder Tag ein guter Tag. Die wundervolle Landschaft und der weite Himmel versprechen immer etwas Gutes. Als ehrgeiziger Angler fuhr ich früher mit meinem Saab (einem Auto, das ich – auch wenn man es kaum glauben mag – letztendlich gegen eine Fliegenrute eingetauscht habe) den langen Weg von New York nach Montana (das den inoffiziellen Spitznamen „Big Sky Country“ trägt), um dort zu angeln. Da ich eigentlich nur angeln wollte, machte es mir nichts aus, in Motels zu übernachten, in denen der Fernseher an der Wand festgekettet war. Einmal angelte ich spät abends und dachte, ich könnte im nächsten Hotel an der Landstraße übernachten. Das war allerdings ein großer Fehler, denn es stellte sich heraus, dass der Sohn von Evel Knievel dort waghalsige Stunts mit seinem Motorrad machte. Ich übernachtete schließlich in einem Raum hinter einem mexikanischen Restaurant. Auch das war ein Fehler, den man nur einmal macht. Aber irgendwann wird man älter und möchte nicht länger in Motels übernachten. Ich habe mich in zwei wahrhafte Institutionen Montanas verliebt, die Montanas Erhabenheit, aber auch seine Exzentrik und seine starke Persönlichkeit widerspiegeln. Chico Hot Springs liegt oberhalb der Kleinstadt Emigrant im Paradise Valley, wo der Yellowstone River an Rinderfarmen und schneebedeckten Bergen vorbeifließt. Hier befinden sich einige der berühmten Quellbäche, in denen man das ganze Jahr über angeln kann. Das beliebte Hotel Chico Hot Springs begeistert die meisten Menschen – es ist fast immer komplett ausgebucht.
Es hat diese angenehme Verschlafenheit eines großen Landhauses. Wenn man tagsüber ankommt, mag es einem leer vorkommen, denn alle Gäste sind entweder beim Wandern oder auf dem Wasser unterwegs. Es fühlt sich an, als gäbe es das Hotel schon ewig (es wurde 1900 eröffnet). Im Haupthaus sind einfache Zimmer (und die Dusche ist am Ende des Flurs). Ich bevorzuge die rustikalen Holzhütten – ein paar schmale Betten, Haken an der Wand, mehr braucht man eigentlich nicht. Es erinnert mich an andere Anglerhütten und an die Hütte meiner Familie in Wisconsin. Der Saloon ist dunkel, aber keine richtige Spelunke; ein Ort, an dem man eher ein Bier als einen kunstvoll gerührten Martini trinkt. Ich habe dort auch Leute kennengelernt. Wir fingen an, über Angeln zu reden, und ehe ich mich versah, war es nach Mitternacht und wir ließen einen Flachmann herumgehen. Die heißen Quellen selbst sind an kühleren und kalten Tagen am schönsten, wenn man sich in der Quelle entspannen kann, während die Luft abkühlt, und man die Forelle, die man an diesem Tag nicht gekriegt hat, vergessen kann. Es gibt ein Fenster, an dem man Getränke bestellen kann, ohne wieder hineingehen zu müssen – und normalerweise gibt es eine Schlange, was einem eine gewisse Feierlaune vermittelt. Im Chico herrscht immer gute Laune, und alle haben das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.
Ich saß unter dem Sternenhimmel und lauschte dem Rauschen des Rock Creek, der in der Dunkelheit vorbeifloss.
Wenn man sich in ein Reiseziel verliebt, möchte man natürlich auch das exklusivste und eleganteste Erlebnis genießen. Das führte mich die Straße hinunter und den Hügel hinauf zu The Ranch at Rock Creek, einem der großartigsten Hotels überhaupt. Sobald man in die Einfahrt zur stattlichen Hauptlodge einbiegt, weiß man, dass man angekommen ist. Das Hotelgelände erstreckt sich über eine schier endlose Fläche von circa 2.700 Hektar auf beiden Seiten des einladenden Rock Creek. Als ich das erste Mal dort war, war ich nur zum Angeln da (glücklicherweise genau zu dem Zeitpunkt, an dem die berühmte Lachsfliege schlüpft). Aber ich war von der Gastfreundschaft wirklich überwältigt. Die Eingangshalle ist mein Lieblingsraum, mit steinernem Kamin, dunkler Holzbar und Ledersofas mit darüber drapierten Decken. Ich machte es mir mit einem kalten Glas Riesling gemütlich, und – was ist das? – eine Schale mit warmen Schokoladenkeksen (ist da etwa eine Prise Meersalz drin?) für die Gäste. Ich übernachtete in einem richtigen Segeltuchzelt mit Holzboden, das man als vornehm-rustikal bezeichnen könnte. Ich hatte meinen eigenen Whirlpool und saß nachts unter den Sternen und lauschte dem Rauschen des Rock Creek in der Dunkelheit. Ich konnte mein Glück kaum fassen.
The Ranch at Rock Creek bietet alles, was man von einem Luxushotel erwartet – ein Spa, einen mit Steinen ausgekleideten Pool und einen Whirlpool. Aber ich möchte auch ein gutes Wort für die Bowlingbahn einlegen. Über den Bahnen hängen Bilder von Cowboys und sorgen für die passende Atmosphäre. Man fängt an, mit Freunden zu bowlen, und bevor man sich versieht, unterhält man sich mit Fremden (natürlich helfen dabei auch die kostenlosen Getränke). Es ist alles erstaunlich unterhaltsam. Ich schulde einem Mann aus North Dakota immer noch 20 Dollar, nachdem er und seine Frau seine Schwiegermutter und mich bei einer Bowling-Runde besiegt hatten. Ich wollte ihm Geld geben, aber er lehnte höflich ab (er war übrigens von Kopf bis Fuß in RL gekleidet).
Aber es ist natürlich nicht das Bowlen, sondern das Reiten, was viele Besucherinnen und Besucher auf die Ranch lockt. Ich selbst verbringe nicht viel Zeit auf dem Pferd. Aber die Pferde sind wunderbar, und ich versuche, sie jeden Tag zu beobachten, wenn sie morgens über die Weide in die hölzerne Reithalle galoppieren. Dann gehe ich hinunter in die beeindruckende Sattelkammer und bestaune all die Ledersättel, die an der Wand hängen. Einmal aßen wir an einem langen Tisch zu Mittag, der sich über die gesamte Länge der Holzbrücke über den Bach erstreckte. An einem Ende wurde Geige gespielt, und überall standen Vasen mit Wildblumen. Plötzlich begann die Band, dem Koch ein Geburtstagsständchen zu spielen – der wie aus dem Nichts mit dem Fahrrad auftauchte und, mit perfektem Timing, über die Brücke rollte und eine Kerze auf der Torte ausblies, die soeben gebracht worden war. Was kann man noch über einen solchen Ort sagen? Montana ist ein Ort, an dem sich die Dramen des Tages in einem Ausmaß abspielen, das größer erscheint als irgendwo sonst. Deshalb ist der Abschied bittersüß, und die Rückkehr umso aufregender.
DAVID COGGINS ist der Autor des Buchs The Believer: A Year in the Fly Fishing Life und des New-York-Times-Bestsellers Men and Style. Er schreibt außerdem einen Newsletter mit dem Titel The Contender.