Eine Hommage auf die höchst stilvolle und bezahlbare modernistische Strandhütte.
Von Paul Goldberger
Meine Vorstellung eines perfekten Sommers ist es, im Juli und im August jeden Montag zu meinem Haus in Amagansett und jeden Freitag zurück nach New York zu fahren. Aber so läuft es nie. Stattdessen fahre ich – wenn mir das Dorf und der Strand zu viel werden – zu Louse Point, einer schmalen Landzunge zwischen der Gardiner’s Bay und der Bucht namens Accabonac Harbor, wo alles fast noch so ist, wie zu der Zeit, als ich vor mehr als 40 Jahren zum ersten Mal in den Osten von Long Island kam. Kleine Kinder springen ins Wasser oder suchen am Strand nach Muscheln, auf dem Wasser gleiten Kajaks und Paddelbretter, und selbst wenn viel los ist, ist es erstaunlich ruhig. Wenn ich nach Louse Point fahre, erfreut mich nicht nur der Blick aufs Wasser, sondern vor allem das kleine Haus auf Stelzen. Dieses Haus wurde von einem Architekten entworfen, den heute kaum mehr jemand kennt, aber dessen Werk einen in die Zeit zurücktransportiert, bevor die Hamptons ihre Seele an Hedgefonds-Typen verkauften, die denken, dass keine anständige vierköpfige Familie den Sommer in einem Haus verbringen sollte, das nicht mindestens 1.400 Quadratmeter, einen 23 Meter langen Pool und einen Tennisplatz hat.
ÜBER DEM WASSER
Oben, Robert Rosenbergs Stelzenhaus am Rand von Louse Point; das von Julian und Barbara Neski entworfene Gorman House am Strand von Amagansett.
Der Architekt hieß Robert Rosenberg, und es existieren nur noch wenige seiner Werke. Aber dieses Haus – kaum mehr als eine winzige Schachtel – sieht größtenteils immer noch so aus wie vor über 70 Jahren, nach seiner Errichtung im Jahr 1954. Es hat keinen Pool, keine Garage, keinen Wellness-Bereich oder andere luxuriöse Annehmlichkeiten, aber es hat einen herrlichen Blick auf Accabonac Harbor auf der einen Seite und auf die Gardiner’s Bay auf der anderen. Das Innere des Hauses ist überwiegend offen gestaltet und das Haus steht auf erhöhten Pfosten, um die Aussicht zu verbessern – aber vermutlich auch deshalb, weil der Architekt damals schon wusste, was wir erst heute im Zeitalter des Klimawandels erkennen: dass Buchten und Meeresarme überflutet werden, und dass Häuser an der Küste sicherer sind, wenn sie vom Wasser unterspült werden können. Das Haus ist eine moderne Hütte, elegant und unkonventionell zugleich, und man sieht, dass es so gebaut wurde, dass seine Bewohnerinnen und Bewohner in alle Richtungen blicken können. Aber sie können auch gesehen werden, und das ist vielleicht das, was mir am meisten gefällt: In Zeiten, in denen Sicherheit besonders groß geschrieben wird und sich fast jedes Strandhaus hinter riesigen Hecken und elektrisch betriebenen Toren versteckt, steht dieses Haus einfach da – für jeden sichtbar. Es ist beinahe arrogant in seiner Bescheidenheit, in seiner Gleichgültigkeit gegenüber einer anmaßenden Privatsphäre, wie ein Typ, der in Badehosen ein Restaurant betritt, weil man das halt am Strand so macht. Nichtwahr? Dieses Haus hat nichts zu verbergen.
Kleine Kinder springen ins Wasser oder suchen am Strand nach Muscheln, auf dem Wasser gleiten Kajaks und Paddelbretter, und selbst wenn viel los ist, ist es erstaunlich ruhig.
STRANDLEKTÜRE
Alastair Gordons Weekend Utopia wird 2026 neu aufgelegt – ein großartiges Buch über die Geschichte des Modernismus in den Hamptons.
Es gibt Leute, die sich die Bauernhöfe der Hamptons zurücksehnen, und andere, die mit Nostalgie an das Softeis im Snowflake denken, oder an die Zeit, als es in East Hampton noch nicht schwieriger war einen Parkplatz zu finden als in Manhattan. Ich vermisse so viele andere Häuser, die das Flair eines Landhauses am Louse Point hatten, von denen es einst Dutzende und Aberdutzende gab – wie zum Beispiel das Haus, das der französische Architekt Pierre Chareau für Robert Motherwell aus einer Quonset-Hütte schuf. Weitere Lieblingshäuser waren das „Pinwheel House“ von Peter Blake, das so heißt, weil man die Außenwände ausziehen konnte, um ein Windrad zu kreieren, oder die Häuser von Architektinnen und Architekten wie Andrew Geller oder Julian und Barbara Neski, die Strandhütten in den Hamptons bauten, die sich durch ihre klaren geometrischen Linien und ihre Schlichtheit auszeichneten. Doch in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg waren fast alle modernen Häuser im Osten von Long Island sehr bescheiden – das war der Sinn der Sache. Das berühmte Haus, das Charles Gwathmey 1965 für seine Eltern baute und mit dem er den Grundstein für seine Karriere legte, kostete nur 35.000 US-Dollar. Es war darauf ausgelegt, die Natur, das Leben in der freien Natur und den Sommer zu genießen. Diese Gebäude waren keine großen Villen, sondern Pavillons – eine Rache an den großen, mit Schindeln gedeckten Villen der früheren Hamptons-Generation. Denn wer wollte damals schon diese alten Scheunen?
ORTE DER RUHE
Von links oben, das Reese House von Andrew Geller und sein Esquire-Wochenendhaus, ein nicht realisierter Entwurf aus dem Jahr 1958; eine Architekturzeichnung des Windradhauses, das von Peter Blake entworfen wurde; der Künstler Robert Motherwell in dem Haus, das Pierre Chareau aus einer Quonset-Hütte schuf; Charles Gwathmey vor dem Haus, das er 1965 für 35.000 $ für seine Eltern in Amagansett baute.
Von links oben, das Reese House von Andrew Geller und sein Esquire-Wochenendhaus, ein nicht realisierter Entwurf aus dem Jahr 1958; eine Architekturzeichnung des Windradhauses, das von Peter Blake entworfen wurde; der Künstler Robert Motherwell in dem Haus, das Pierre Chareau aus einer Hütte in Quonset schuf; Charles Gwathmey vor dem Haus, das er 1965 für 35.000 $ für seine Eltern in Amagansett baute.
Nun – wie sich bald herausstellte – wollten das in der Tat viele, als sie zu Geld kamen. Und genau das war das Problem, denn so viele dieser kleinen modernen Schachteln der Nachkriegsjahre standen auf erstklassigen Grundstücken, die vor 60 oder 70 Jahren für einen Apfel und ein Ei gekauft worden waren. Und so kauften viele Menschen einen dieser kleinen Pavillons in den Hamptons und ließen ihn abreißen, da das Grundstück der perfekte Ort für eine Riesenvilla war. So wurde das Motherwell-Haus abgerissen, um Platz für eine Art Adirondack-Landhaus zu schaffen, und viele andere, um dort riesige Villen mit Schindeln, Giebeldächern, Klimaanlagen und Küchen zu errichten, in denen man Festessen für 200 Gäste zubereiten konnte. Das authentisch Moderne wich dem unauthentischen Alten; dies ist das Paradox der Architektur in den Hamptons. Es gibt immer noch eine Menge guter kleiner Häuser aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren, aber es verschwinden immer mehr, und die mit den besten Adressen sind am meisten in Gefahr. Die Architektinnen und Architekten, deren Kunden sich damals kein erstklassiges Grundstück leisten konnten, haben echtes Glück, denn die von ihnen gebauten Häuser könnten überleben. Allerdings gibt es auch eine wirklich glückliche Geschichte aus der jüngsten Zeit, die sich um einen exquisiten Mies’schen Pavillon aus Holz und Glas im eleganten Stadtteil Georgica von East Hampton dreht, der 1962 von Paul Lester Wiener für Robert und Ethel Scull entworfen wurde. Als er vor ein paar Jahren zum Verkauf angeboten wurde, war er wegen seiner exquisiten Adresse ein klarer Kandidat für einen Abriss. Doch dann kaufte die Designerin, Sammlerin und Philanthropin Lisa Perry das Haus, restaurierte es und verwandelte es in das Onna House – eine Galerie für Künstlerinnen. Ein Triumph des architektonischen Erhalts. Doch es kostete eine Menge Geld, die bescheidene Architektur der Hamptons – die wir verloren haben – zu erhalten.
PAUL GOLDBERGER ist ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Architekturkritiker und Autor zahlreicher Bücher, darunter Why Architecture Matters und Ballpark: Baseball in the American City.