Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren
April 2025
RL/Menschen

RL – Fragen und Antworten:Zara Beard

Die Tochter des berühmten Fotografen Peter Beard führt das wilde Familienerbe fort
Ihr Familienname eilt ihr voraus, ebenso wie die Geschichte ihres Vaters Peter Beard, des Fotografen und internationalen Playboys, der in Montauk zu Hause war, wenn er nicht gerade die Wildnis Kenias dokumentierte und die Welt auf seine ganz eigene Art und Weise erkundete. Doch trotz all des Trubels rund um das Leben ihres Vaters sind Zara Beards Kindheitserinnerungen eher privater Art und drehen sich um Natur, Abenteuer und wunderbare Momente – Ideale, die auch die glücklichen Tage in der östlichsten Küstenstadt der USA definieren, in der sie die Sommermonate verbrachte. Jetzt lebt Zara Beard mit ihrem Ehemann und ihrer kleinen Tochter in East Hampton und führt das Vermächtnis ihres Vaters mit EchoWild weiter – einer Rettungsorganisation für Wildtiere, die sie Anfang 2025 ins Leben gerufen hat. Diese gemeinnützige Organisation konzentriert sich auf lokale Initiativen und Projekte in der gesamten Region, wie zum Beispiel Wildtiertunnel in East Hampton, gemeinschaftliche Regengärten und wildtiersichere Angelausrüstungen. Zara Beard beschreibt ihre schönsten Erinnerungen an das Leben mit ihrem Vater in Montauk mit ihren eigenen Worten. —Shannon Adducci

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an Ihre Kindheit in Montauk?

Montauk war nicht einfach nur ein Ort – es war pulsierend, es hatte den wilden, unbändigen Rhythmus von Wind, Salz und Meer. Unser Haus war am Rand von Montauk, zwischen Land und Himmel, wo die unendlichen Weiten des Ozeans begannen. Ich verbrachte dort so viel Zeit wie irgend möglich – die Sommermonate, die Wochenenden und andere Tage, an denen ich dem Alltag in der Stadt entfliehen konnte. In der Stadt war alles strukturiert, Montauk bedeutete Freiheit. Ich erinnere mich an den ersten tiefen Atemzug, wenn ich aus dem Auto stieg, an den unverwechselbaren Geruch von Salz und Gras, an die elektrisierte Energie in der Luft vor einem Sturm. Lange sonnige Tage voller Abenteuer, noch längere Nächte beim Rauschen der Wellen, die sich endlos an den Klippen brachen. Wir waren wild, barfuß, kamen und gingen mit den Gezeiten, mit dem wechselnden Licht. Montauk war lebendig, und wenn man es zuließ, konnte man sich diese Lebendigkeit zu eigen machen.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit, die Sie dort mit Ihrem Vater verbracht haben?

Mein Vater hatte ein Talent dafür, die einfachsten Dinge in Abenteuer zu verwandeln. Wir verbrachten Stunden am Strand und sammelten Treibholz, verhedderte Fischernetze und von den Gezeiten geschliffene Steine. Er sah die Schönheit im Vergessenen, in Dingen, die von der Zeit und den Elementen geformt wurden. Als ich klein war, fanden wir Steine, die wie kleine Sushi-Stücke aussahen, und er half mir bei der Gründung meines ersten Geschäfts – Zara’s Sushi Bar. Er nahm die Sache ernst, als ob es ein richtiges Restaurant wäre, erstellte Visitenkarten für mich und ermutigte unsere Gäste, mitzumachen, während ich ihnen Tabletts mit Stein-„Sushi“ servierte. Er sorgte dafür, dass sich alles größer, magischer und lebendiger anfühlte, als es eigentlich war. Es ging gar nicht um die Steine – es ging darum, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, etwas aus Nichts zu machen, daran zu glauben, dass selbst die Idee eines Kindes es wert ist, gefeiert zu werden. Er saß auf den Klippen, sah den Schwalben zu, die aus ihren Nestern flogen, und sprach darüber, dass alles in der Natur einen Rhythmus und eine Bestimmung hat. Er sah die Wildnis nie als etwas Gesondertes an, sondern als etwas, zu dem wir gehören. Diese Sichtweise habe ich heute immer noch.
DER UNGEZÄHMTE
Peter Beard in der Nähe seines Hauses in Montauk, auf einem 2,4 Hektar großen Grundstück, das er 1972 gekauft hat.

„Mein Vater hatte ein Talent dafür, die einfachsten Dinge in Abenteuer zu verwandeln. Er sah die Schönheit im Vergessenen, in Dingen, die von der Zeit und den Elementen geformt wurden.“

Die Gegend hat sich im Lauf der Jahrzehnte sehr stark verändert. Was vermissen Sie von dem Montauk, das Sie aus Ihrer Kindheit kennen? Und was ist gleich geblieben?

Ich vermisse die Rohheit. Montauk war damals nicht sorgfältig gestaltet, es wurde nicht aus einem bestimmten Zweck für bestimmte Leute entworfen. Es existierte einfach – ungezähmt, vom Wind gepeitscht, von Ebbe und Flut geformt. Es war ein Ort für Fischer und Kunstschaffende, für Menschen, die es an den Rand der Dinge zog. Schon damals brachen die Klippen ab, und der Ozean nahm sich immer mehr Land, aber es herrschte dort immer diese Einsamkeit, das Gefühl, das man im Land und im Meer verschwinden konnte, ohne einem von beiden zu gehören. Das ist jetzt anders, kontrollierter, bewohnter. Aber wenn man weiß, wo man suchen muss, ist das Montauk von früher immer noch da. Das Meer hat sich nicht verändert. Die Klippen halten vorerst. Und wenn man früh genug aufsteht, bevor die Welt erwacht, kann man es noch immer hören – das Summen von etwas Riesigem und Gleichgültigem, etwas, das uns nicht braucht, das aber trotzdem beschützt werden sollte.

Sie wohnen immer noch in der Gegend, richtig? Wo verbringen Sie jetzt Ihre Zeit, und wie unterscheidet sich Ihr heutiges Leben von Ihrer Kindheit in Montauk?

Ich vermisse die Rohheit. Montauk war damals nicht sorgfältig gestaltet, es wurde nicht aus einem bestimmten Zweck für bestimmte Leute entworfen. Es existierte einfach – ungezähmt, vom Wind gepeitscht, von Ebbe und Flut geformt. Es war ein Ort für Fischer und Kunstschaffende, für Menschen, die es an den Rand der Dinge zog. Schon damals brachen die Klippen ab, und der Ozean nahm sich immer mehr Land, aber es herrschte dort immer diese Einsamkeit, das Gefühl, das man im Land und im Meer verschwinden konnte, ohne einem von beiden zu gehören. Das ist jetzt anders, kontrollierter, bewohnter. Aber wenn man weiß, wo man suchen muss, ist das Montauk von früher immer noch da. Das Meer hat sich nicht verändert. Die Klippen halten vorerst. Und wenn man früh genug aufsteht, bevor die Welt erwacht, kann man es noch immer hören – das Summen von etwas Riesigem und Gleichgültigem, etwas, das uns nicht braucht, das aber trotzdem beschützt werden sollte.

Was hat Sie dazu veranlasst, EchoWild zu gründen?

Im Grunde genommen ist EchoWild eine Erweiterung von all dem, was mein Vater mir beigebracht hat. Er schenkte mir eine Art von Bildung, die man nicht in Büchern findet – die Fähigkeit, zu sehen, aufmerksam zu sein und zu verstehen, dass wir eng mit der Natur verbunden sind. Für ihn bestand Schönheit nicht nur in dem, was man sehen konnte, sondern auch in dem, was man bewahren wollte. Mit EchoWild möchte ich sicherstellen, dass dieses Wissen nicht verloren geht. Wir setzen uns für den Schutz der Landschaften und der Tierwelt im East End ein – indem wir verletzte Tiere retten, Lebensräume wiederherstellen und kahlgeschlagene Flächen wiederbeleben. Wir bauen ein Wildtierkrankenhaus, legen Regengärten an, um das Wasser zu filtern, und schaffen Korridore für die Rückkehr einheimischer Arten. Jedes gerettete Stück Land, jedes Tier, das eine neue Chance bekommt, ist eine Möglichkeit, diese Wildnis am Leben zu erhalten. Montauk hat mich geprägt, und diese Arbeit ist meine Art und Weise, dem Ort etwas zurückzugeben. Die Klippen, die Strände, die Wälder – sie waren meine ersten Lehrmeister. Mein Vater sah die Magie, die in ihnen steckte, und dank ihm erkannte ich sie auch. Jetzt bin ich an der Reihe … jetzt ist es meine Aufgabe, diese Magie zu bewahren.

SHANNON ADDUCCI lebt als Autorin und Moderedakteurin in New York. Ihre Artikel erschienen in Elle, GQ, Departures, Robb Report, WWD und T: The New York Times Style Magazine.