Die authentische und zeitlose Welt von Ralph Lauren

Vintage neu interpretiert

Judy Augurs einzigartige Taschen sind rustikal und romantisch zugleich

Auf die Philosophie ihrer Taschen- und Accessoire-Marke angesprochen, erklärt Judy Augur, dass das Besondere wohl in der Neuausrichtung liege. „Es geht darum, Bestehendes zu kombinieren – gefundene, Vintage- und Antik-Materialien – und zu sehen, wie sie in Farbe, Struktur und Haptik harmonieren“, sagt sie. Die Designs, die seit 2006 immer wieder in Ralph Lauren Stores zu finden sind, zeichnen sich durch unerwartete Kombinationen aus. Augur drückt es konkreter aus: „Es geht darum, keine Angst davor zu haben, eine osteuropäische Schärpe aus dem 19. Jahrhundert mit einem Navajo-Concho aus Sterlingsilber zu kombinieren.“

Bei der diesjährigen Polo-Herbstkollektion für Damen hatte Augur viel Spielraum. „Ich hatte ein paar allgemeine Vorgaben hinsichtlich der Farbpalette und Motive, daran habe ich mich orientiert“, erläutert sie. Als sie von dem Projekt erfuhr, lag gerade eine Tragetasche aus Rindsleder auf dem Boden von Augurs Büro. „Sie war ziemlich alt und hatte genau die richtige Farbe und Oberfläche. Also haben wir sie zerschnitten“, erzählt Augur. Bei der großen Conchotasche in Beutelform schlug das Team vor, sie mit einem einzigartigen Riemen in Folklore- bzw. Hippie-Optik zu kombinieren. Um die richtige Ästhetik zu treffen, griff sie auf alte, handgewebte bulgarische Schärpen und Gürtel aus ihrer Sammlung zurück. „Bevor ich mit dem Design meiner eigenen Taschen begann, war ich als Zulieferer für die Vintage-Abteilung von Ralph Lauren tätig“, erklärt sie. „Die Designer haben bei mir eingekauft, ich bin also sehr vertraut mit der Ästhetik.“

Ihre Gabe, immer genau den richtigen Look zu finden, hat Augur zu einer der Besten auf ihrem Gebiet gemacht, und wenn immer Ralph Lauren eine Patina sucht, die nicht mehr hergestellt wird, ist sie die erste Ansprechpartnerin. „Das, was wir machen, sieht vielleicht einfach aus, aber bis eine Tasche funktioniert, sind eine Menge Schritte und viel Arbeit erforderlich“, erläutert sie. „Wir versuchen, eine strukturelle Integrität in alle unsere Designs zu bringen, damit das fertige Produkt den Charakter eines Erbstücks erhält.“

Im Jahr 2000 brachte Augur in ihrem Studio im kalifornischen Claremont ihre Marke J. Augur Design auf den Markt. Zu der Zeit arbeitete sie als Vintage-Händlerin und beschäftigte sich nebenbei damit, alten Taschen ein neues Gesicht zu verleihen. Das erste Modell war eine olivgrüne Military-Surplus-Tasche, die sie mit Farbe und Stoffresten aus Vintage-Material überzog.

„Die war wohl eher hässlich“, sagt Augur heute lachend. Als sich die Carry-Alls mit der Zeit in ihrem Studio stapelten, wurden Kunden langsam aufmerksam und wollten ihre Unikate kaufen. Es dauerte nicht lange, da trudelten größere Aufträge herein, bis Augur 2004 ihren Vintage-Handel aufgab und sich voll und ganz ihrem Handwerk widmete.
Mehr als 10 Jahre später führt die Kalifornierin (mit Unterstützung von drei Mitarbeitern) erfolgreich ihr Studio, eine 185 m² große Lagerhalle voller Raritäten, von Cowboy-Ausrüstung bis hin zu Navajo-Schmuck. Jede Tasche wird von Hand in etwa 20 Arbeitsstunden hergestellt – die beträchtliche Vorbereitungszeit (das Auseinandernehmen rissiger Lederteile, das Reinigen der Felle oder das Reparieren der Nähte und Säume) nicht inbegriffen. Bei ihren Materialien, die sie überwiegend aus dem amerikanischen Südwesten bezieht, vertraut sie auf Händler, die in Privatsammlungen und bei Immobilienverkäufen fündig werden und ihre Ware auf Augurs Lieblingsflohmärkten in Kalifornien (z. B. Pasadena’s Rose Bowl) verkaufen. Wenn sie Zeit zum Reisen hat, übernimmt sie diese Arbeit selbst und stöbert auf Vintage-Ausstellungen nach einzigartigen Objekten für ihre Kreationen.
                            Judy Augur mit ihrem Handwerkszeug (und einem vierbeinigen Assistenten)
Judy Augur mit ihrem Handwerkszeug (und einem vierbeinigen Assistenten)

Augurs Faible für den Retro-Americana-Stil hat seine Wurzeln in ihrer Kindheit, in der sie den amerikanischen Südwesten kennen und lieben lernte. Sie wuchs zwar in Südkalifornien auf, doch ihr Vater stammte aus Colorado und ihre Mutter aus Wyoming. „Jeden Sommer durchquerten wir Arizona, New Mexico, Utah und Wyoming, um Verwandte zu besuchen oder nach Jackson zu fahren“, erzählt sie. Im Alter von 4 Jahren trug sie bereits Cowboystiefel, und je älter sie wurde, um so mehr träumte sie davon, eines Sommers aus Kalifornien abzuhauen, um auf Pferden zu reiten und die kulturreiche Landschaft zu erkunden, die sie in ihrer Fantasie so begeisterte (angeregt von Popkulturgrößen wie Roy Rogers und Lone Ranger). Die Teenager-Jahre, als sie Second-Hand-Läden nach Punk-T-Shirts durchforstete, um sie aufzuschneiden und umzugestalten, erwiesen sich als prägend für ihre kreative Leidenschaft.

Eine weitere wichtige Inspirationsquelle? „Mr. Lauren, aber auch die Ästhetik des amerikanischen Westens, die in all den Jahrzehnten eine wichtige Rolle in seiner Arbeit spielte“, erläutert sie. „Er hat noch immer großen Einfluss auf mich. Unsere Zusammenarbeit ist zu einer symbiotischen Beziehung geworden, die meine eigene Leidenschaft für diese Dinge noch verstärkt hat.“

Und wenn zwei Visionen perfekt ineinander greifen, kommen Taschen wie diese dabei heraus. Jede einzelne ist aus Materialien vielfältigen Ursprungs sorgfältig zusammengestellt und ein Unikat, das man nicht mehr missen möchte.
Antonina Jedrzejczak ist Schriftstellerin und Redakteurin in New York City. Sie hat unter anderem für die Vogue, Condé Nast Traveler und Architectural Digest geschrieben.
  • Mit Freundlicher Genehmigung Der Ralph Lauren Corporation
  • Mit Freundlicher Genehmigung Von Judy Augur