Looks für den Tennisplatz
Eine Mischung aus althergebrachtem Stil und modischer Rebellion hat Wimbledon – seit dem ersten Spiel im Jahr 1877 – zum bestgekleideten Tennisturnier der Welt gemacht. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Entwicklung der Tennismode im Laufe der JahrzehnteBei der Mode geht es oft darum, Regeln zu brechen. Nicht aber in Wimbledon: Hier geht es darum, innerhalb der Regeln zu bleiben. Das Verbot bunter Kleidung und das Beharren darauf, dass die Spieler auf den Grasplätzen in Wimbledon komplett weiß gekleidet sind, ist möglicherweise die am meisten gefeierte Regel im Tennis. Und genau das ist es, was dem ältesten Turnier der Welt seit über einem Jahrhundert seine ganz eigene Ästhetik verleiht. Diese Anordnung ist jedoch nur ein Element der Modegeschichte auf den Rasenplätzen. Das Wimbledon Museum widmet sich diesem Thema im Detail: Hier werden die Outfits der Spieler seit über 40 Jahren katalogisiert (und die Kleidungsstücke des diesjährigen Gewinners werden ab dem Mittwoch nach der Meisterschaft ausgestellt). Es begann im 19. Jahrhundert mit Korsetts, die so eng waren, dass die Frauen kaum atmen, geschweige denn sich bewegen konnten, und mit einer Kuriosität, die als Tennisschürze bezeichnet wurde. Weiter geht es bis zur heutigen Zeit, in der die Outfits der Spieler die Streetwear beeinflussen und umgekehrt. Nachfolgend haben wir die einflussreichsten, charakteristischsten und provokativsten Modemomente Wimbledons im Laufe der Jahrzehnte zusammengestellt.
19. Jahrhundert
„Auffällig“ – so bezeichnet Adam Chadwick, Leiter des Wimbledon Museums, in dem die weltweit wahrscheinlich umfassendste Sammlung von Tennisbekleidung ausgestellt ist –, die Outfits, die im 19. Jahrhundert getragen wurden. Damals (Wimbledon wurde erstmals im Jahr 1877 ausgetragen) ging es hauptsächlich um Brautwerbung, weniger um sportliche Höchstleistungen. „In den frühen Tagen war Tennis eine Möglichkeit für Männer und Frauen, sich zu treffen – daher wollten sie so gut wie möglich aussehen“, weiß Chadwick. „Das lief der Freiheit, tatsächlich zu spielen, zuwider.“ Es ging hauptsächlich um Stil, nicht um praktische Kleidung für den Zweck. Ob es möglich war, in dem Outfit einem Ball hinterherzulaufen, war vollkommen egal. Die Frauen trugen Korsetts und lange, schwere Kleider, die die Arme bedeckten und über 10 Pfund wogen, sowie „Tennisschürzen“ mit Taschen für die Bälle, damit die Damen sich nicht zum Aufheben bücken mussten. Die Männer trugen beim Spiel lange Flanellhosen. In diesen frühen Jahren fiel die Wahl aus ästhetischen Gründen auf die weiße Farbe. Denn auf Weiß zeichneten sich keine Schweißflecken ab, was, wie Chadwick erläutert, „bei der Brautschau nicht besonders hilfreich gewesen wäre“.
Die 1920er-Jahre
Es gab im Tennis keinen größeren Skandal als die ersten Spielerinnen, die es wagten, auf dem Tennisplatz ihre Knöchel hervorblitzen zu lassen. Die Mode änderte sich, da die Sportler nach Kleidung verlangten, die ihnen mehr Bewegungsfreiheit gab. Korsetts wurden abgeschafft, und die Röcke wurden kürzer (was die Liberalisierung der Gesellschaft widerspiegelte; es gab jedoch auch Menschen, die durchaus ihrer Empörung Luft machten, wenn sie das Bein einer Frau erblickten, die über den Rasen flitzte). Sinnbildlich für diese Zeit steht die französische Spielerin Suzanne Lenglen, die den Spitznamen La Diva trug und für ihre graziösen Bewegungen bekannt war. „Lenglen machte aus ihren Bewegungen eine Show, und ihr Kleid – weiter und legerer geschnitten – unterstrich diesen Stil“, erklärt Chadwick. Auch für die Männer war es ähnlich wichtig, ein Modestatement zu setzen: Sie begannen, Sakkos auf dem Platz zu tragen. Sie spielten zu diesem Zeitpunkt jedoch noch immer in langen Flanellhosen – erst in den 1930er-Jahren begannen sie, Shorts zu tragen.
Die 1940er- und 1950er-Jahre
Unterkleider machten „den Unterschied zwischen Schicklichkeit und Dekor“, nach einer Aussage von Modedesigner Ted Tinling, zu einer Zeit, in der Tennisröcke und -kleider kürzer wurden. Beim Wandel des Stils in Wimbledon „war Tinling eine Schlüsselfigur mit einer modernen Herangehensweise an das viktorianische Unterkleid“, beschreibt Chadwick. Das umstrittenste Outfit von Tinling? Die Kombination, die er für Gertrude Moran entwarf. Diese wurde als Gorgeous Gussie (wunderschöne Gussie) bekannt und erschien 1949 beim Turnier in einem kurzen Kleid mit spitzenbesetzter Unterwäsche. Sofort wurden Bedenken laut, inwiefern sich diese Kleidung möglicherweise auf die Königsfamilie und die gehobenen Kreise auswirken könnte. Die Hysterie nahm in diesem Sommer so sehr zu, dass die Unterwäsche sogar im Parlament besprochen wurde.
Die 1970er- und 1980er-Jahre
Wenn die Rocklänge der Damen etwas über die Gesellschaft in den 1920er-Jahren aussagt, dann war es die Länge der Tennisshorts für Herren in den 1970er- und 1980er-Jahren, die den Zeitgeist verkörperte. Sie hätten kaum kürzer und enger sein können. Im Spiel der Frauen wurde der pinke Cardigan, den Virginia Wade 1977 im Finale der Damen trug (sie bleibt die bisher letzte britische Frau, die den Titel gewann), zu einem der historischsten Kleidungsstücke aus dieser Zeit. Als sie den Centre Court betrat, bemerkte sie, dass Queen Elizabeth, die in der königlichen Loge saß, Mantel und Hut im selben Farbton trug. Da wusste Wade sofort, dass es ihr Tag werden würde.
Heute
In den letzten Jahren sind die Regeln hinsichtlich der weißen Bekleidung immer strenger geworden, nur ganz wenig Farbe ist erlaubt. Daher sind Designer noch erfindungsreicher geworden, um charakteristische, ja unverkennbare Outfits zu kreieren. Einige Spieler drücken ihre Individualität mit einer Jacke oder einem Sweater aus, der vor dem Spiel ausgezogen wird. Oder die Kleider und Schuhe werden personalisiert. Und obwohl moderne Stoffe die Sportler kühl halten, müssen die Kleidungsstücke des Gewinners (die in der Regel im Wimbledon Museum ausgestellt werden) gereinigt werden, bevor sie gezeigt werden. „Wir möchten nur Kleidung ausstellen, die während eines Spiels getragen wurde“, erklärt Chadwick, „allerdings möchten wir keine Kleidungsstücke zeigen, die mit Champagner getränkt sind!“
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